Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996863
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Spiegel. 
folie belegt war  Der Rahmen, daz spiegelholz, war mit Schnitze- 
reien verziert?) Grosse Glasscheiben verstand man iln dreizehnten 
Jahrhundert noch nicht herzustellen, und so sind denn auch die Spie- 
gel meistens sehr klein, etwa von der Grösse unserer Rasirspiegel, in 
der Regel rund und in eine Schutzkapsel gefasst. Diese Spiegel- 
kapseln, theils aus Bronze 3), theils aus Elfenbein 4) gefertigt, sind in 
der Regel auf der Rückseite mit Bildwerken, kleinen Flachreliefs ge- 
schmückt; die Gegenstände der Darstellung sind entweder der heiligen 
Schrift entlehnt, und so konnte ein solches Bild im Falle der Noth auch 
bei der Andacht verwendet werden, oder man wählte Scenen aus den 
beliebten Ritterromanen oder aus dem gewöhnlichen Leben zur Dar- 
stellung. Johannes Rothe erzählt in seinem Chronicon Thnringiae in dem 
Abschnitte "Wi her synen esil suchte biz an Worzceborg": „Zcu eynen 
gezcitin geschach ez darnach, daz der vorschrebene kremer zeu Ve- 
nedige gewest was vnde hatte do gar kostliche vnde fremmede kley- 
note gekouit, von gulrlin ringin, guldin gespan, gebende, kreuzce, edil 
gesteyne, trinkegefesse, elffingebeyne spigel, tafiln, hefte, tisehe- 
messir, nattirzcungen vnde corallin, pater noster vnde derglichin". 
Gewöhnlich trug man den Spiegel in der Gürteltasche (s. Anm. 3), 
doch wurde es später, zumal bei den Bailcrmädchen, Sitte, ihn an 
einer Schnur zu befestigen und sich bei festlichen Anlässen ihn um- 
zuhängen  
Von Elfenbein-Spiegelkapseln ist uns eine ziemliche Anzahl er- 
halten, doch rühren die meisten (lerartigen Arbeiten erst aus dem 
1) Parz. 1, 20: Zin anderhalp ame glasc. 
2) Mlicl. Wtb. I, 707. 
3) H. Elisab. 1336: Er {greif in einen bursit, Er gap im einen Spiegel dar. Der 
was zuo beiden siten gar Gesazt in eren spise. Er was zweier wise, Daz man in 
mochte falden. Er hatte ein sit behalden Nie wan ein einfelclee glas, Uf die ander 
sit gemachet was Eines crucifixes bilde.  Tlieoclerieus de Apolda I, c. 7: Pro- 
ferensqne de bursa sua dedit nobili illi, quod penes so habelrat, speculuin duplex, 
eneis inclusurn sedibus, una parte Simplex vitrum et in pzmrte altera ymaiginein 
preferens erucifixi. 
4) Nithart XXIV, 11 (HMS. III, 209): Er het ir ouch genomen in scliiinpt" ein 
toekenwiegel, Daz haet" si W01 verklaget: mer den Spiegel, Der was von helfen- 
beine Ergraben waehe und kleine.  Joli. Rothe, Chron. Thuring: ,Von sente 
Elsebitin ir jogunti: Vnde gab eine zcu warzeichin eynen elifinbeynen spigil, do 
stunt Christus niartir an, vnde den brachte her er. Vgl. Joh. Rothe, Vita S. Elis. 
g XIII.  Rom. de la Rose 9313: Yvoriens miroirs. 
5) Nitli. XIV, 4 (HMS. III, 200): Mezzel breit an einer snuor ein spiegelin; 
XXIV, 12 (ib. 209): Des Spiegels snuor diu kam doch her von Berne. Ez was 
ein waeher horte. Oben an dem orte Stuont ein hier geworht von rotem golde.
        

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