Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996855
Kämme. 
Spiegel. 
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duris funibns, ut crines capitis crisparent, et alia mala multa sustiile- 
bant propter vanam gloriam). Staubkämme (nizkarnp), Frisirkamme 
(strwler) und Bürsten 1) gehören deshalb nothwendig zu den Toiletten- 
bedürfnissen; ein Spiegel darf natürlich nicht fehlen. Mit den Kämmen 
wurde ein gewisser Luxus getrieben; sie sind oft aus Elfenbein ge- 
fertigt und werden dann mehr oder weniger reich mit ornamentaleni 
Schmucke verziert. 
Von solchen Kämmen sind uns einige erhalten. Einen Staub- 
kamin aus Elfenbein mit zwei Reihen engerer und weiterer Zähne. 
der noch aus altrömischer Zeit herstammte, besass der Freiherr 
von Minntoli in seiner leider durch. den Verkauf wieder zersplitterten 
schönen Sammlung. Er glich ganz einem modernen Kamm, war 
aber durch Reliefs am mittleren Theile geziert. Derselben Art gehört 
der von Cahier abgebildete Kamm des h. Lupus an (Nouveaux melanges 
(Yarcheologie. lvoires etc., Paris 1874. pag. 72), der jetzt in der 
Kathedrale zu Sens bewahrt wird, im romanischen Stile geschnitzt 
und mit Edelsteinen verziert ist. Drei andere, minder reich ornamen- 
tirte Staubkalnme veröifentlicht Cahier an derselben Stelle (p. '73. 74), 
giebt jedoch nicht an, wo dieselben zu finden sind. Einfache Kämme 
sind uns in dem sogenannten Bartkamin Heinrichs I. (im Schatze zu 
Quedlinburg) erhalten (Kugler, K1. Schr. l, 633, abg; Becker u. v. 
Hefner, Kunstw. u. Gesch. d. MA. I, T. 61); zwei Kämme aus Cöln 
sind bei Cahier a. a. O. p. 67 und 70 abgebildet, der der h. Hilde- 
gard (T 1179) bei v, Hefner, Trachten d. christl. MA. I, T. 38; andere 
erwähnt noch Otte in seiner Kunstarchäologie (4. Aufl. p. 252). 
Alle diese Kämme ohne Ausnahme haben wohl zunächst einem litur- 
gischen Zwecke gedient; es ist aber wohl die Annahme gerechtfertigt, 
dass die für Privatpersonen angefertigten Kämme im wesentlichen 
dieselbe Formnnd dieselbe Verzierungsart gezeigt haben. 
Grosser Luxus wurde auch mit den Spiegeln getrieben 2). Polirte 
Metallplatten sind in unsrer Zeit kaum noch als Spiegel verwendet 
worden, allgemein brauchte man schon Glas 3), das mit einer Zinn- 
1) E9151 1, 660,  H. Ztschr. VIII, 153: Äne strselmre unde bursten wirdit 
ir daz här geslihtit.  Joh. de. Garlandia, Synonyma (Reutlingen 1487): Ceta dici- 
tur crinis porc0run1. lnde cotula et est instrumentuln, cum quo crines ornantur, 
teutonice ein birst. 
2) Dämantin 6148; Den spigel he 01' halden so], Da-z si sich vorbinden, Wi 
si di mäze vinden, Daz si iehte valden ebene legen.  Lanc. I, 9625: Hi sach dat 
ene joncfrouwe sat In dien laawelgoen ende dimt Si hare in enen spegel besach, 
3) S. Mhd. Wtb. I, 545.
        

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