Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996838
Baden. 
Waschen. 
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Haare am ganzen Körper ausser auf dem Kopfe zu tilgen 1). Die 
Sitte stammt aus dem Orient und ist wahrscheinlich durch die Kreuz- 
fahrer mit heimgebracht worden. Die Composition dieser Enthaarungs- 
mittel habe ich nach einer Münchener Handschrift des vierzehnten 
Jahrhunderts im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1877, 
Sp. 187) pilblic-irt. Diese Üperation wurde wohl gewöhnlich, wie dies 
1l0Gl1 heute im Orient zu geschehen pflegt, mit dem Bade verbunden. 
Nachdem die Badenden die Kufe verlassen hatten, trockneten sie sich 
mit dem Badelaken ab und legten das Badehemd an, wohl einen 
weiten Mantel, wie wir ihn etwa in den Dampfbädern noch brauchen, 
und so bekleidet streckten sie sich auf die bei jedem Bade ausdrücklich 
erwähnten Ruhebetten aus und kühlten sich, ehe sie die Kleider an- 
legten, erst den Körper ab 2). Dann erst wird an das Ankleiden ge- 
gangen. Nach dem Bade bedurfte man einer Stärkung 3). 
Wer nicht in der Lage war, so mit einem Bade sein Tagewerk 
beginnen zu können, wusch sich wenigstens. Rosenwasser zum 
Waschen des Gesichtes wird besonders erwähnt 4). Eigenthümlich ist 
es, dass die Reinhaltung des Körpers bei den Frommen damals nicht 
besonders gut angeschrieben war; Caesarius von Heisterbach erzählt, 
wie ein frommer Mönch eine Weltdame, die in sündiger Liebe zu ihm 
entbrannt war, auf immer curirte dadurch, dass er ihr seinen von 
Unsauberkeit und Ungeziefer starrenden Körper zeigte. Aber auch 
die h. Elisabeth verschmähte die körperliche Pflege, so dass sie, _als 
sie endlich einmal auf vieles Zureden sich entschloss ein Bad zu 
nehmen, doch im letzten Augenblick noch bereute, so weltlich 'ge- 
sinnt zu sein, nur einen Moment mit dem Fnsse in der Wanne 
1) Rom. de 1a. Rose 14276: Et connne bonne baisselete 'I'iegne 1a chainbre 
Venus nete. S'ele est preus et bien enseignie, Ne lest entor nul iraignie Qifel 
n'arde ou ree, esrache ou housse, Si qu'il n'i puisse euillir mousse. 
2) Meler. 636: Ouch hienc ein badelachen clä An einem ast der linden. Ich 
wsen ieman möht vinclen Ein badehemde alsö rich; Mit golcle was vil meisterlich 
Vil wsehiu bilde dran g-enät.  Das Bett: Meler. 619 ff. 710.  Mai u. Beafl. 
p. 61, 21; Dö si gebadet hete genuoc Ein badelachen man ir truoc Wiz unde 
kleine, Daz legte an diu reine. Ein ricli bette was ir bereit, Dä leit sich an diu 
Süeze meit,  Meler. 7900: Diu küniginne sant im dö Wize linwät kleine, Niuwe 
unde reine. Dö er üz dem laade gienc, In ein badehenrd er sich vienc: Dez kunde 
bezzer niht gesin: Ez was Wiz sidin. Ein bette cläz was im bereit, Dar an der 
degen unverzeit Erkuolte und ruowete dir. Dar näeh kleidet er sich sä. Darauf 
geht er zur Messe und dann zum Essen. Vgl. 8733 ff. 
3) Kudr, 1305; Dö si gebadet Wären, dö brähte man in win, Daz in Onnanie 
niht bezzer lnohte si]1_ Mete den vi] guoten briihte man den vrouiven. 
4) Parton. 10660: D'eve rose lor vis laves.
        

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