Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996803
Baden. 
Pariser Minnesinger-Handschriit; v. d. Hagen, Bildersaal, T. XI.) So- 
bald der junge Ritter in der Kufe sitzt, kommen zwei Jungfrauen, die 
ihn waschen; als sie ihm aber das Badelaken anbieten, schämt er, der 
junge, unerfahrene, sich doch und "die juncfrouwen muosen gen: sine 
torsten da nicht langer sten. Ich waen si gerne heten gesehen, 0b im 
dort unde iht waere geschehen" l). Es war das etwas ganz Gewöhnliches, 
dass Mädchen die Ritter beim Baden bedienten. Wahrscheinlich hatten 
die Männer, ehe sie ins Bad stiegen, eine Art Badehose angelegt, die 
wir uns vielleicht ähnlich denken dürfen, wie die Schamgürtel, welche 
die Schächer auf den Darstellungen der Kreuzigung um die Hüften 
befestigt haben. Es ist dies die Queste, deren öfter gedacht wird. 
In den Glossaren wird Queste mit lumbare, perizoma übersetzt; es 
scheint jedoch, als ob man nebenbei unter Queste auch ein blosses 
Reisigbüschel verstand. In dem Schwanke „ der nackte Bote" kommt 
der Bote in eine Burg, wird nach der Badestube gewiesen und gedenkt 
da ein Bad zu nehmen. Ueber der Thür Endet er „gu0ter Wedel 
vil geleit" (67) und mit dem Wedel wehrt er die Hofhunde ab; 
als er nackt ins Badezimmer eintritt, findet er da die ganze Familie, 
Frauen und Mägde versammelt, die der Kälte wegen diese warme 
Stube aufgesucht haben, und wird schmählich herausgejagt (Ge- 
sammtabenteuer III, 137). Sonst waren die Damen nicht so prüde. 
Meleranz überrascht eine Dame, die unter einer Linde ein Bad nimmt. 
Das Bad ist mit einem Samit überdeckt 2); dabei steht ein herrliches 
Bett aus Elfenbein, und um das Bett ist ein Umhang aufgestellt, auf 
dem die Geschichte von Paris und Helena, von Trojas Zerstörung und 
von den Abenteuern des Aeneas gestickt ist u. s. w. Als Meleranz 
heranreitet, fliehen die Dienerinnen der Dame; diese selbst aber, schnell 
entschlossen, hebt den Samit, der den Bottich bedeckt, auf, ruft den 
Ritter herbei und befiehlt ihm, ihr nun statt der entflohenen Dienerinnen 
Hülfe zu leisten. Er muss ihr Badehemd, den Mantel und die Schuhe 
herbeiholen, dann etwas bei Seite treten, bis sie die Kleider angelegt 
hat; als sie sich aber auf das Bett gelagert hat, ruft sie ihn wieder 
herbei und heisst ihm die Mücken zu versclieuchen, bis sie schlaft 
u. s. w. (Meler. 564-880). Merkwürdiger Weise sind die Männer 
viel schamhafter als die Mädchen. Ich habe schon oben des Bades 
vom jungen Parzival gedacht; an einer andern Stelle springt er 
1) Parz. 166, 21-"167, 30. 
2) Guill. de Palernej770: 
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