Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996795
Aufstehen am Morgen. 
Baden. 
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Sobald man erwachte, sprach man ein Morgengebet, wie man am 
Abend sich mit einem Abendsegen zur Ruhe gelegt hatte 1). Beim 
Aufstehen aus dem Bette warf man zunächst einen Pelz um und ging 
dann an die Toilette z). Auf Reinlichkeit hielt das Mittelalter sehr 
viel, mehr als unsre heutige Zeit. Man begnügte sich in der Regel 
nicht mit blosseni Waschen, sondern zog es vor, bald ein Bad zu 
nehmen. Besonders geschah dies dann, wenn ein Ritter nach langer 
Reise in einer Burg eingekehrt war, da wird ihm sofort 3) oder den 
nächsten Morgen ein Bad bereitet 1). So lässt auch der alte Gurnemanz 
de Graliarz seinem Gaste Parzival am Morgen ein Bad bereiten und 
die Badekufe in das Schlafzimmer bringen. Das Wasser ist mit Rosen- 
blättern bestreut 5). (S. die Darstellung des Jacob von Warte in der 
tuo an dich Ein kleit." Alrärst versan sie sich, Daz sie was sö nacte.  Rom. de 
la Charrette 1267: Si est an sa chambre venue Et si se couche tote nue.  
Rom. de Troie 1534: Et Medea plus ne demore, Molt a tost desvestuz ses dras.  
Amis et Amiles 1162: Delez le eonte s'a couchie nu a nu.  Dolopathos p. 215: 
Gar nu a nu et bouche a bouehe Delez la iille au roi se couche.  Chast. de 
Couci 293: en son lit nue s'est couchie.  Zahlreiche Bildwerke bestätigen die 
Aussagen der Zeitgenossen. lch erinnere nur an die Miniatur in dem Roman der 
,Sires de Gavres' K diijb- (15. Jhdt.)  Auf dem Schiffe, in dein Ludwig IX. mit 
seiner Gemahlin heimkehrt, bricht Feuer aus: Quant la royne se esveilla, elle vit 
sa chambre toute enibrasee de feu et sailli sus toute nue. Joinville 646.  Wale- 
wein 958: Ligghic hier a1 moedernaect. 
1) Lanzel. 1905: Morgen dö ez tac Wart, Dö was des vremden iitters vart 
Zem ersten der sieh gote ergap: Wan er ist ein urhap Aller sselikheite.  Meier. 
9644: Er stuont üf und gienc sa Von den liuten da in nieman sach. Gen got er 
ein gebet sprach Und flehte in vil sere, Dai er im lip und ere Behüete und sin 
geruoche piiegßm.  Reimnar von Brennenberk l, 3 (HMS. I, 335): Min abent- 
segen unt min morgensegen, Daz ist allez mit der minneklichen gar. 
2) Rom. de Troie 1605: Une pelice nere et grise Vest Medea sor sa chemise 
Del lit s'en est a tant levee. Cf. Hugues Capet p. 189.  'l'r0j. 9034: Üf stuont 
diu wol gemuote Küniginne da ze stunt, Ein rilich belz, väch unde bunt Wart 
an ir blözen lip geleit. 
3) Erec 3654: Ein bat hiez er bereiten, Wan er von arbeiten Und von ge- 
wmfen üf der vart Sweizic unde ramic wart: Des belöste er den lip. Als er ge- 
bate und sin wip, Daz ezzen was bereite.  Biterolf 1809: lSi badeten harnasch- 
ritm von in; 12420: Sehs und ahzic oder mere Gesazen zeinem bade hie; 12429: 
Fünf hundert recken oder baz Gemeinlich da zem bade saz: Mit gedinge daz ge- 
schach, Daz man von edelen frouwen saeh Vil badel-achen dar gesant. 
4) Mgleranz 7392; Unz an den liehten morgen, D6 lac er niht langer da; Er 
stuont üf, man fuort in sä. In ein harte schoenez bat. Er wart an der selben stat 
Cäebadet und erstrichen wol. 
5) Frauendienst 228, 22: Da er zwen ander knehte vant: Die truogen nach 
im rösen dar, Gepletert vrisch und wol gevar, Der streut er dar üf mich sö vil, 
Für war ich iu daz sagen wil, Daz mich noch daz bat niemen sach; 30: Er streut di 
rösen uinbe daz bat, S6 vil daz al diu dille gar Wart wünneclich nach rösen var.
        

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