Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996766
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Schönheitsideal. 
in jener Zeit etwas Weniger tolerant. WVir finden zum Beispiel die 
Blondine wie die Brunette schön; gab es doch noch vor kurzem eine 
Zeit, die selbst das rothe Haar für schön erklärte: unsre Dichter 
lassen nur das golclblonde Haar gelten. Eine massig  
Gestalt, blonde Haare, die glänzend, dem gesponneneil Golde gleich, 
in natürliche Locken gekräuselt, bei den Frauen zumal in Fülle lang 
herabwallen, ein weisser Scheitel, weisse glatte, rundliche Stirn, schnee- 
weisse Schlafe, dunkle, womöglich schwarze, schmale, gewölbte, nicht 
zusammenstossende Augenbrauen, leuchtende, bewegliche Augen, eine 
massig lange, nicht zu sehr vorstehende, gerade, nicht gebogene Nase, 
weiche, rosig angehauchte Wangen, ein kleiner Mund mit vollen, 
weichen, rothen feurigen Lippen (ein kleinvelhitzroter niunt, wie 
Ulrich von Lichtenstein sagt), kleine, weisse, gleiche und dicht ge- 
stellte Zähne, ein ziemlich kleines, rundliches, weisses Kinn mit einem 
Grübchen, kleine weisse rundliche Ohren galten bei Frauen wie bei 
Männern für schön. Der Hals soll massig lang und stark sein, weiss, 
glatt und weich, die Kehle weiss und rundlich mit feiner Haut. Von 
einer schönen Frau behauptete man, die Haut ihrer Kehle sei so zart, 
dass man, wenn die Dame rothen Wein trinkt, denselben hinabfliessen 
sehe. Der Nacken ist weiss, die Schultern beim Manne breit, bei 
Frauen schtnal. Feingebildete Achseln, weisse, lange und weiche 
Hände, lange, rundliche, innen rosige Finger, deren Gelenke nicht vor- 
stehen, glänzende, gut gehaltene Nägel, wurden von einer wahrhaft 
schönen Erscheinung gleichfalls verlangt. Den Frauen steht wohl an 
ein weisser voller Busen, rundliche, wie gedrechselte, kleine und dicht 
gestellte Brüste; beim Manne schätzte man eine hohe und breite, wohl- 
gewölbte Brust. Der Körper sollte schlank, mit feiner beweglicher 
Taille gebildet sein. Die übrigen Körpertheile beschreiben die Dichter 
in der Regel nicht. Konrad Fleck (Flore 6914) sagt, nachdem er die 
Schönheit der Blanscheiiur geschildert hat: „Nn lazen wir si under 
wegen Umbe ander di getat, Die rehte decket wibes wat Von dem 
gürtel nider baz, Wan die frouwen haben daz Für gröze unverwizzen- 
heit, Swer da von kuntliche seit,_Daz er noch niemen anders weiz" 
und Wirnt von Gravenberg (Wig. p. 28, 30 ff), Heinrich von dem 
Türlin (Crone 8213 ff.) und selbst der sonst bekanntlich nicht spröde 
Konrad von Würzburg (Troj. 20002 ff) schliessen sich dieser Ansicht an. 
Beim Manne waren natürlich die Beine eher zu sehen und man legte 
deshalb auf ihre Schönheit, dass sie gerade waren und kräftige "Waden 
zeigten, grösseres Gewicht. Die Füsse beider Geschlechter wünschte 
man schmal und klein, mit gewölbter Fusssohle; endlich galt zur
        

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