Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996742
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Schlagen. 
Anrede. 
dass sie blutet: „tete  sin untugent schin" und seine Gäste tadeln 
ihn wegen seiner Brutalität. Ein Ehemann jedoch durfte, ohne dass 
ihm das verdacht wurde, seine Frau züchtigen1). Die Mädchen waren 
aber auch daran gewöhnt, ihre Hand zu brauchen, und als Mirabelle 
von einem Alten entführt werden soll, giebt sie ihm eine Ohrfeige, 
dass alle fünf Finger auf dessen Wange sichtbar werden 2). Männer 
schlagen oder drohen mit Schlägen allen denen, die ihnen unbequem 
werden, und die nicht selbst von ritterlicher Würde mit den Waffen 
ihnen Satisfaction zu geben vermögen 3). 
Wir müssen diese Verhältnisse im Auge behalten, manche uns 
roh und ungeschlacht erscheinende Situation zu begreifen: die Leute 
sind in der Hinsicht noch nicht so weit cultivirt, dass sie mit den 
Aeusserungen ihres Unwillens ängstlich zurückhalten, aber einer 
solchen Scene ist auch gar nicht ein besonderer Werth beizulegen, 
sie ist eben nach dem Massstab jener, nicht unsrer Zeit zu messen. 
Der Herr redete den Diener, der Fürst seinen Lehnsträger und 
Dienstmann mit Du an; sie hatten ihn Ihr zu nennen. Der Höher- 
stehende duzt den Geringeren, ausserdem duzen sich hin und Wieder 
Leute gleichen Ranges, Freunde, Verwandte. Die Kinder werden von 
den Eltern geduzt, sie jedoch reden respectvoll dieselben mit lhr an. 
Der Liebhaber wendet seiner Geliebten gegenüber erst das Du an, 
wenn sie schon vertraut geworden sind. Man glaubte, dass die Sitte, 
Respectspersonen durch die Anrede Ihr zu ehren, schon zur Zeit des Ju- 
lius Caesar entstanden sei 4). Dass die heilige Elisabeth sich von ihren 
Mägden duzen liess, war eines der vielen Zeichen ihrer christlichen 
Demuth5),und wurde ihr auch von ihrer Schwiegermutter sehr verdachtß). 
1) Nib. Z. p. 135, 6; Amis et Amiles 1068. 1133. 
2) Aiol 6319: Ele estendi se paume, sel fiert, si demanois, Qu'en 1a destre 
maissele en perent li -v- dois. 
3) z. B. Parz. 360, 25: Er sprach: nvart hin, ir ribalt, Millslege ungezalt 
Sult ir hie vil enphähen, Welt ir luir fürbaz nähen." 
4) Kaiserchroxx. 523 (wörtlich übereinstinnnencl Annolied 465): Römaere in 
(Jul. Caeszu") W01 intphiengin, Flinen niuwen site aneviengin: Sie begonden irezin 
den härten. Daz vnnden sie ime ze ären; Wande er eine häte den gewalt, Der ä 
was geteilit nlanicvalt. Den site hjezjülius ze ären Alle diuske mzun lären. 
5) Item noluit se vocari Dominam ab aneillis ejus, quae omnino pauperes et 
ignobiles erant, sed tantum numero singulari: Tu, Bllyzabeth. (De dictis IV ancil- 
lannn, Testim. Irmengwxrdis.)  
G) H. Elisab. 1184: Di selege aber nu zu dal Zu den gurtelmeden ginc: Mit 
in ir kosen si geiinc Und alle ir wandelunge also, Daz ir swiger aber C10 Sprach 
ir nidecliche zuo: ,Sage,E1izgmbet, waz mache duo, Daz C111 in  frist Bi 
den dienstmeden bist? Ich sprechen in den druwen min, D11 soldest ir genoze 
sin, Geboren in ir orden: Du ensoldest nie sin worden Under fursten kint gezalt.
        

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