Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996736
Narren. 
Schlagen. 
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seinem Feinde, dem Zwerge Melot, eine heisse Pfeiferbrühe über den Kopf 
und gelangt doch zum Ziele 1). Man duldete eben des Narren Spässe 
und wehrte sie nur ab, sobald sie gar zu lästig wurden, lohnte sie ihm 
wohl auch mit einer tüchtigen Tracht Prügel, aber man liess ihn ruhig 
seine Narrheiten, über die man sich im Grunde doch freute, weitertreiben. 
Mit dem Schlagen war man überhaupt schnell bei der Hand. Als 
die beiden Schwestern Obie und Obilot darüber streiten, ob Gawan, 
der vor dem Schlosse angelangt ist, ein Ritter oder ein Kaufmann sei, 
giebt die ältere der jüngeren eine Ohrfeige, dass sie dreimal zu Boden 
stürzt und Nase und Mund ihr bluten 2). Die heilige Kunigunde giebt 
ihrer Nichte, die während des Gottesdienstes in ihrer Zelle gegessen 
hat (Heinr. u. Kuneg. 3706) „einen guoten strich An ir rehte Wange, 
Daz ör suste ir lange". Eltern schlagen ihre erwachsenen Kinder 
noch; so ohrfeigt Aubigant seine Tochter Flandrine zweimal, als sie 
die Tapferkeit des Doon zu sehr bewundert 3), und Naymes, der von 
seinem Sohne Richiers erkannt wird „Tel butfe en donne son ainzne 
iil Richier, Toute la face li a fait roujoierml). Aber auch junge 
Mädchen sind solchen Misshandlungen ausgesetzt. Die Cunnewvare de 
Lalant, die nur lachte, wenn sie den ausgezeichnetsten Ritter sah, und 
nun bei Parzivals Erscheinen lacht, wird von Keye geprügelt  Da 
ist es kein Wunder, dass Frauen, die an solche Behandlung in ihrer 
Jugend gewöhnt sind, nichts dabei finden, wenn sie später von ihren 
Beichtvätern mit Schlägen gestraft werden, wie dies der heiligen Eli- 
sabeth von Konrad von Marburg thatsächlich geschah 6). Was dem 
Beichtvater zustand, galt übrigens, sobald es andre Männer thaten, 
doch für unpassend. Als im Erec (6517) der Graf die Enite schlägt, 
1) HVF. Trist. 5130-5664. 
2) Cröne 17843: Die rede si ir swester niht vertruoc: Einen örslac sie ir sluoc 
Von zorne, der was alsö gröz, Daz ir von bluote hin göz Beidiu nase unde munt, 
D21 von si W01 dristunt Nider viel üf daz pflaster.  Lanceloel; I, 37275: Die 
outste sustex- werd erre ter stont Ende sloech di andere vor den mont.  Percev. 
6426: Lors le fiert si que tos les dois Ens el vis li a saieles.  Wolfram übergeht 
diese Naturwüchsigkeit. 
3) Doon p. 255. 256. 
4) Gaydon p. 303. 
5) Parz. 151, 24: Ir langen zöpfe cläre Die wzmt er u1nbe sine hant, Er 
spancte se {ine türbanf. 11' rücke Wart kein eit gesteht: Doch wart ein stap sö dran 
gehabt, Unz daz sin siusen gar verswamnc. Durch die weit und durch ir vel ez 
dranc.  Perc. 2242: Si li done cop si esbout De m paume en sa face teure 
Quül le fist ä tiere estendre.  
6) H. Elis. 7962: Von ime leit si manigen slac, Der si hatte. enphangen 
Vil manigen aln ir Wangen Ünde ir untlitze.  
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