Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996724
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Zweige. 
Narren. 
S0 viel Umstände brauchte man nun freilich mit leibeignen Leuten 
nicht zu machen. Die waren gekauftl) und mussten natürlich bei 
ihrem Herrn aushalten. Meist waren sie im Kriege gefangen und, da 
sie sich nicht loszukaufen vermochten, vom Sieger verkauft worden. 
Eine ganz eigenthümliche Staffage mittelalterlicher Schlösser 
bildeten die Zwerge, die sehr häuiig erwähnt werden. Sie begleiten 
die Damen auf Reisen und sind durch ihre Unverschämtheit be- 
rüchtigt 2). Treibt es ein solcher Wicht, der gewöhnlich kein Bedenken 
trägt, einen Ritter thätlich zu insultiren, und der auf die Nachsicht des 
Starken nicht mit Unrecht rechnet, einmal doch zu weit, dann wird er 
allerdings exemplarisch gezüchtigt 3). 
Auch die Narren hatten ihre eigenthümlichen Privilegien. Schon 
in ihrer äusseren Erscheinung fielen sie auf. S0 lässt sich einer das 
Haupthaar, den Bart und Schnurrbart zur Hälfte scheeren 4), wieder 
ein andrer geht mit eigenthümlichen Schritten einher 5). Bewaffnet ist 
er mit einem Kolben oder einer Keule, und wer ihn neckt, der kann 
Schläge von ilnn gewartigen: „Wan der mit tören schimpfen wil, Der 
muoz verdulden narren spil" (halbe Birn 205). S0 geht Tristan in 
Narrenkleidern nach Tintajol. Alle Leute staunen ihn an, sobald er 
aber seinen Kolben zieht, üiehen alle. Er gelangt endlich in das 
Schloss, begrüsst stotternd die Königin Isold, verhöhnt den König 
Marke und treibt so lange den Unfug, bis der König ihn mit Gewalt 
bei den Ohren von der Königin fortziehen lässt. Da ergrimmt er und 
schlägt um sich, dass alle fliehen. Bei Tische setzt er sich zur 
Königin, isst von den für dieselbe bestimmten Speisen, giesst endlich 
1) Blanseheüur wird m1 bubylonische Kaufleute für 200 Mark und 305 By- 
zantiner verkauft; dazu erhält der Verkäufer 100 Pfeller, 100 Mäntel von Veh, 
dazu auch hermelinene, 20 Bliät, 20 Zendätl, 20 Haluiehte (darunter 12 gemauserte), 
100 Pferde und Rosse und einen kostbaren Becher. Flore 1540-56.  Grull. 
d'OraJnge V, 3438: Dit Looys ,je Paehetai sor 111er De mareheant, -c- mztrsi 
Es peseri 
2) Hartna. Erec 11 ff.  Lzmzel. 426: D6 hielt ein getwerc dä vor Üf eime 
pferde blaue. Ein geisel fuort ez, diu was lanc. 
3) Plrec 1065: Er hiez ex zwäne knehte Üf einen tisch strecken Und wo] 
durehrecken Mit guoten spizholzen zweiu, Daz ez üf sinem rükke Schein, Dar 
näch W01 zweH Wochen. 
4) Rom. de Brut 9341: Se {ist pur 111i 1a barbe rero Et le cief laar 111i ense- 
meut Et uns des grenons seulenlent. Bien sambla, lecäor et fol; Une harpe prist 
ä. son col. 
5) HvF. Trist. 5'100: Siuen gauk er 011011 verkärte, Sin houbet beguude er 
vaste wegen, Und beguude mit füezen schregen; Sus gieulz er gigen garren, 
Gelich einem rehten narreu.
        

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