Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996696
Heil kunde. 
159 
fördern das Herausschwären der in der Wunde steckenden Pfeilspitze 1). 
Dictam und Triakel (Theriak), das scheinen die beliebtesten Heilmittel 
gewesen zu sein 2); in die Salben kamen aber auch noch allerlei aro- 
matische Specereien 3); für den augenblicklichen Gebrauch wusste man 
Kräuter und Wurzeln zu finden, die, zerquetscht und auf die Wunde 
gelegt, wenigstens einstweilen gute Dienste thaten. Ausserdem fanden 
die Kranken in den Frauen die besten Pflegerinnen, sie brachten ihnen 
die Krankenkost  Mandelmilch wird ausdrücklich erwähnt 4)  be- 
dienten und warteten sie. Ob sie auch gegen innere Krankheiten 
Heilmittel bereit hatten, wird nicht ausdrücklich in unseren Quellen 
berichtet, doch ist dies wohl wahrscheinlich. So bildete sich das junge 
Mädchen allseitig aus, ihren Beruf als Hausfrau, als Gutsherrin oder 
Fürstin in jeder Hinsicht einst erfüllen zu können. Wenn der Mann 
n1it den Waffen in der Hand die Sicherheit des Landes und der Fa- 
milie beschützt, ist seine Gemahlin im Stande, für die lhrigen und für 
ihre Untergebenen zu sorgen, nicht allein den grossen Haushalt zu 
überwachen, sondern auch, so weit es in ihren Kräften steht, den 
Kranken und Pßegebedürftigen beizustehen. Und Wie wir wohl an- 
nehmen können, dass bei den Männern die Liebesiutriguen, die Aben- 
teuerfahrten und was wir sonst von den Ergötzlichkeiten des ritter- 
lichen Lebens in unseren Romanen lesen, nur ausnahmsweise eine Rolle 
spielten, dass der Fürst mit der Regierung und Verwaltung seines 
Landes, der Ritter mit der Bewirthschaftung seines Eigenthums meist 
viel zu sehr beschäftigt war, als dass er diesen Nebendingen viel Zeit 
hätte zuwenden können, so dürfen wir uns auch die Damen jener Zeit 
nicht als Müssiggängerinnen denken;  sind von Jugend auf an 
1) Willeh. 99, 19: Si schouwete 2m den Stunden, Ob er hete deheine wunden; 
Der si von pfiln etsliche vant. Diu künegin mit ir blanken haut Gelfmsürten dictam 
A1 blä mit vinzeger niun, Und sö die böne stent gebluot: Die bluomen sint ouch 
dar zuo guot: Ob der pfil dä, wmro belibn, D21. mit er Wm-d her üz getribn. 
2) Eneit p. 314, 10: Triakel unde dictanl. 
8) Willeh. 451, 1.3: Richiu pflaster wol getiuret, Mifzzel und zerbenzeri, Aro- 
mät und umher was derbi. Swä, der laüaster keinez 12m, Dä, was immer süezer 
smac.  Cröxme 6721: Dia härte Anzansnüse, Diu Wirtin, ein pfiaster Vil gar äne 
laster Von odelen Würzen gesoten. 
4) Percev. 21254: nEt li nains li tenoit devimt Le hanap qu'il avoit portö, Qui 
tous fu plains pur verite De lait (Pamande avocques pain; La, damoisele de su, 
majn Tint -j- culier d'or esmere Qxfele ot illueques aporte Dont ele son amie 
pajssoit; 37379: Dhmandes 0'012 {Erit aiiner Li {ist por lui desgerlner Faire un can- 
delet couleis.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.