Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996659
Anstandslehren für 
Damen. 
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geradezu Complimentirbücher für Damen, in denen die besten Lebens- 
regeln zusammengestellt sind; in der Regel ist die Lehre so einge- 
kleidet, dass eine Mutter ihrer heranwachsenden Tochter gute Sitte 
predigt. In dieser Art poetisch componirt ist das Chastiement des 
Dames, sind die Lehren der Winsbelgin. Auf die Anstandslehren hier 
näher einzugehen, sehe ich keine Veranlassung; Jeden, der sich eine 
genauere Kenntniss von der Lebensauffassung jener Zeit verschaffen 
will, kann ich nur auf die genannten Werke verweisen; ich erwähne 
hier nur einige Punkte, die sich auf die aussere Haltung beziehen. Es 
galt für unschicklich, dass eine Dame mit grossen Schritten einher- 
ging 1), die Arme lebhaft bewegte 2). Den Blick gesenkt 3), ohne sich 
umzuschauenit), stets in den Mantel gehüllt 5), soll sie still einher- 
schreiten, die Kleider aufraifend, dass sie nicht schmutzig werden Ü). Der 
Roman de la Rose giebt den Damen gute Riithschläge, wie sie dabei 
kokett das Füsschen zeigen, die Schönheit ihres Wuchses, ihrer Toi- 
lette zur Geltung bringen sollen 7). Beim Sitzen durfte eine Dame 
1) Welli. Gast 417: Ein vrouwe sol ze deheiner zit Treten weder vast noch 
wit.  Cröne 29371: Nach disen vil lise 131'371; Diu schoenste vrouwe.  Troj. 7518: 
Mit einem lisen engen sehrite Kilblll si dort her geslichen; 7536: Medää diu vil 
cl-äire Laneseiine kann geslichen in, Gestreiehet als ein velkelin, Dem sin gevider 
eben lit; 20397: Si 1mm dort her geslichen Gestriehet und gestrichet Reht als 
ein Wilder siticus, Dem S111 gevider sö noch sus Zerfüeret noch zersehrenket lit; 
15000: Din schrit sol werden enge Und setze lise dinen fuoz; 27733: Er hebe un- 
vröuwecliehen gerne Und schreit üf eines mannes spor.  Ulr. v. d. Türl. Wilhelm d. 
Heil. p. 99: (Arzrbele) di wol nu kuende vrowen trit Nach der Franz o ysinnen sit. 
2) Troj. 27744: Swenn Achilles der eläre Sin arme unzuhtecliehen truoe, Sö 
twainc si mit ir hende eluoe Deidzunie im allez nider Und stiez in tougenliche 
wider, Swenne er ze bzilde Wolte giin. 
3) Philipp d. Karth. Miuienleben 800: Üfreht si doch ze gen phlac Und nider 
mit den ougen sach.  Troj. 15012: Sieh vür dich iLllGZ tougen Und habe din 
houbet stille; 19902: lr wunneclichez houbet Dez truoc si zühtecliehe enbor Und 
lie daz von der shräze tor Niht wenken eines häres breit.  Winsbekin 6, 7.  
Ulr. v. d. Türl. Wilh. d. H. p. 104: Gesenlcit nu ging ab di kuningin, Di vrouwen 
ir alle waren bi. 
4) Welh. Gast 459: Ein vrouwe sol niht hinder sich Dicke sehen, dunket 
mich; Si sol gen vür sich geriht Und sol vil umbc sehen niht, Gedenke an ir 
zuht über a1, Ob si gehoere deheinen schal. 
5) Welh. Gast 451: Wil sich ein vrowe mit zuht bewzirn: Si sol niht am: hulle 
varn. Si sol ir hül ze Samen 112m, Ist si der garnatsch än. Läit si am libe iht sehen 
par, Daz ist wider zuht gar. 
6) Troj. 15134: Diu cleider edel unde rich Trae vorne mit der hendc enbor, 
Dez si niht bangen in daz hor. 
7) Rom. de 1a, Rose 14477: Les espdules, les costes inueve Si noblement, qne 
1'en ne trueve Nule de plus biau movement; Et marche jolietement De ses biaus 
soleres petis, Que üiire aura. si fetis, Qui joindront as pies si a point, Qug de 
fronce n'i aiura. point; 14486: Et se sa robe li trajine Ou pres du pawement s'en-
        

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