Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996643
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Mädchen am Hofe. 
J unge 
bunten Wollenfäden die Geschichte der Eroberung Englands gestickt  
Besonders merkwürdig ist dann das 1031 der Kirche zu Stuhlweissen- 
burg von der Königin Gisela verehrte Messgewand, das jetzt zu den 
ungarischen Reichsinsignien gehört, zumal da eine "zweite aus feinem 
Byssusstoffe hergestellte Casula, die jetzt in dem Benedictinerstifize 
Martinsberg bei Raab bewahrt wird, Wahrscheinlich als Vorlage für 
die Stickerei gedient hat. Auf dem Byssus sind nämlich die an dem 
Ofener fPrachtgewande gestickten Figuren mit Farben aufgemalt 2). 
Die Wandteppiche von Quedlinburg und Halberstadt aus dem 12. und 
13. Jahrhundert sind gewebt 3). 
Die jungen Mädchen, die an den Hof geschickt waren, hatten an 
aller dieser Arbeit Antheil zu nehmen; sie bedienten die Fürstin oder 
deren Töchter und begleiteten sie, sobald dieselben aus dem Hause 
gingen, waren überhaupt immer in der Nähe der Herrin 11). Es galt 
für durchaus unpassend, dass eine hochgeborene Dame allein ausging 5). 
Als Wigalois mit Röaz kämpft, Wohnt des letzteren Gemahlin Japhite 
dem Kampfe bei. Zwölf Jungfrauen gehen ihr, je zwei und zwei zu- 
sammen, voran Ü); jede tragt eine brennende Kerze, und immer neben 
zwei Jungfrauen geht ein Spielmann. Nachdem Japhite Platz ge- 
nommen hat, stellen sich die Mädchen hinter ihr neben einander auf 7). 
S0 im ständigen Verkehr mit den meistgebildeten Leuten des ganzen 
Landes sollten sie sich die Feinheit des Taetes und der Sitte an- 
eignen, welche man damals von höfischen Damen verlangte. Es giebt 
1) Lnbzurte, m-ts industriels IV, p. 349. 
2) Mittheilungen der k. k. Connnission II, 146. Vgl. Sohn-nasse, GBSClI. d. bild. 
Künste (2. Aufl.) IV, 633. 
3) Schnaase V, 537. Alageb; Kunstdenkmäbler in Deutschland (Schweinf. 1844) 
T. XIII. XIV. 
4) Jeschüte hat 12 Jungfrauen, die ihr dienen, ihr laeim Ankleiden laehülflieh 
sind, Peu-z. 272, 21; 273, 23.  43 Meide begleiten Kriemhielt nach Worms, Nib. Z. 
p. 126, 7.  Kudr. 482: Mit ir giengen meide zweinzic oder bez.  Helena hat 
(Troj. 19778) fünfzig Frauen bei sich.  Biterolf1826: Hundert und zwelf magedin 
Sach man bi der frouwen (Helche) gfun, Ritterwip vil wol getän Vierzic llntle 
viere.  Elie de St. Gille 1654: Qui est fille de conte, de due u (Tsrmjres Et si 
que 1a plus vielle n'a lyas -xxx- ans passe. 
5) Clarembzrut handelt die Parise (Parise p.  Vos estes joirle dßme et 130138 
sole alez! Si le dus (ihr Gemahl) le savoit, vos en szuiroit mal gre.  Vgl. Wal- 
ther von der Vogelweide, Lachin. p. 46, 10: Swel ein edeliu sehwne frouwe reine, 
W01 gekleidet unde W01 gebunden, Durch kurzewile zuo vil liuten gäb, Hüvelißllen 
höehgemuot, niht eine, Umbe sehende ein wänic under Stunden. 
6) Die Jungfrauen der Königin Felise von Sicilien, Guin- de P3191119 79301 
Pune tint l'autre par 1a. doie. 
7) Wigalois p. 190, 11 ff.
        

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