Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996513
Erziehung 
der 
Knappen. 
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kündigung so häufig wiederkehrende Geberde des Engels, der mit 
erhgbener Rechten und Wie zum Segnen gefalteter Hand seine Rede 
begleitet, galt damals für eine angemessene und schickliche Gesti- 
culation; wir treffen dieselbe ja auch häufig auf Darstellungen 
profaner Vorgänge, wo selbstverständlich an eine Segenspendung 
nicht zu denken ist 1). Es schickte sich auch nicht, dass einer, zumal 
ein junger Mann, höherstehenden Personen die Hand auf das Haupt 
oder die Schulter legte 2). Dann musste er sich daran gewöhnen, 
hübsch gerade und aufrecht zu gehen 3) und vor allem den Damen 
jegliche Rücksicht zu erweisen. War er zu Ross und traf er eine 
Dame, die zu Fuss ging, so musste erabsteigen 4); Wollte er an 
sie heranreiten, so durfte er nur im gemessenen Schritt ihr nahen, 
damit er sie nicht erschreckte 5). Wer so wenig auf sein Pferd achtet, 
dass er seine Begleiterinnen mit Schmutz bespritzt, der beträgt sich 
entschieden unpassendö); auch ziemt es ihm nicht, beim Reiten auf seine 
Beine oftmals zu sehen 7); aber ganz unschicklicli ist es, wenn er in 
Damengesellschaft ohne Unterhosen geht, da durch irgend einen Zufall 
ja eine ärgerliche Entblössung veranlasst Werden kann S). 
Diese Zeit der Dienstbarkeit nahm ein Ende, wenn der Knappe 
zum Ritter gemacht wurde. Sein Herr oder der Landesfürst belohnte 
so treue Dienste, mannhaftes Benehmen vor dem Feinde und wohl- 
erworbene Tüchtigkeit. Bei grossen Festen, Hochzeiten 9) oder Taufen 
fürstlicher Personen, vor oder nach der Schlacht 10) oder an den Tagen, 
1) V. d. Hagen, Bildersaal, Taf. XVI. XXX. XXXVI. XLV, 2. 
2) Welh. Gast 447: SWGT der zuht wol geloubet, Der sol setzn üf niemens 
houbet Sin hant, der tiuwerr si dan er, Noch üf sin ahsel, daz ist er. 
3) Troj. 3062: Der üz erwelte jungelinc Gie mit hovelicher state. Üfreht 
alsam ein sumerlate Was sin lip ze mazen lanc. 
4) Welh. Gast 419: Wizzet, daz ez ouch übel stet, Rit ein ritr dä. ein 
vrouwe get.  
5) Welh. Gast 425: Ein riter sol niht vrevelich Zuo vrouwen riten; sicher- 
lich Ein vrouwe erschraht hat dicke getan Den sprunc der bezzer waer verlan. 
6) Welh. Gast 429: Swer sinem rosse daz verhenget Daz er eine vrouwen 
besprenget, Ich wwne W01, daz sin wip Ouch ane meisterschaft belip. 
7) Welh. Gast 433: Zuht wert den ritern alln gemein, Daz si niht dicke 
sehowen ir bein Swenne si ritent. 
S) Welh. Gast 457: Ein riter sol niht vor vrouwen gen Parschinc, als ichz 
kan versten. 
9) Als Albrecht von Oesterreich seine Tochter Anna mit Hermann von Bran- 
denburg verheirathet, werden 50 Knappen zu Rittern gemacht, Ott. v. Steier 
DOXXXVTII. 
10) Adolf von Nassau macht vor der Schlacht von Gelheim 100 Knappen zu 
Rittern, Braunschw. Reimchr. 8478: Her machete, als ich horte, Vil knaphen rit- 
ter vor dem strite.  Lod. van Velthem 1. III, c. 4: Ende doe daer sende den
        

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