Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996506
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Erziehung 
Knappen. 
wöhnlich werden sie mit dem Namen Kinde, Junkherren, Knappen, 
Garzüne, Betscheliere (Bacheliers) bezeichnet 1), doch wird auch ein 
Unterschied zwischen Knappen und Kinde gemacht 2); erstere sind dann 
wohl die älteren, die schon i1n Waffenhandwerk erfahren sind, letztere 
Knaben, die mehr zur Bedienung mitgenommen werden. Der erfah- 
rendste der Knappen, der wohl die Aufsicht über seine Genossen zu 
führen hat, ist der Meisterknappe 3). Im Kriege tragen die Knappen 
Panzer und Eisenhut, aber statt des Schwertes eine Keule 4). 
Dem Herrn und jedem Ritter überhaupt hatte der Knappe mit 
höchster Ehrerbietung zu begegnen E). Den Gast sollte er bedienen, 
als ob er sein Herr wäre, und sich in jeder Weise manierlich 
und gesittet betragen G). Dass er in Gegenwart eines Ritters auf 
eine Bank sich stellt, zumal wenn der Ritter auf derselben sitzt, 
ist natürlich unschicklich7); auch beim Reden soll er sich jeder hef- 
tigen Gesticulation enthaltens), die Hände jedoch nicht verstecken, 
sondern zeigen 9). Ich denke, die auf den Darstellungen der Ver- 
1) Kinde, juncherren, knappen bezeichnen dieselben Personen Wigal. p. 287, 
27; 288, 1 und 15 etc.; garzün, knappe, betschelier; La11ze1. 2595. 2598. 2695. 
 Doch unterscheidet WVigal. p. 288, 1. 2 wohl die Knappen von dem die Bot- 
schaft tragenden Garzün. 
 2) Parz. 8, 4: Sehzehen knappen ich han, Der sehse von iser sint, Dar zuo gebt 
mir vier kint Mit guoter zuht, von höher art.  Titur. 718: Wan zweinzig kint von 
hoher art kurteise Und ahtzig knappen zu siner hant er im erwelet uf die reise. 
3) Parz. 105, 1: D6 koln geriten Tampanis, Ir mannes ineisterknaplae wis; 
59, 29: Der herre sande vor hin in Den kluogen meisterknappen sin. 
4) Erec nimmt 15 Knappen mit, 2348: Iegliches harnasch was guot Ein pan- 
zier unde ein iseirhuot Und eine kiule W01 beslagen.  Hildebrant sagt zu Ecke 
(Eckenliet 44, 5): In kmme ein schaprün michel baz, Ein roc gesniten enge, Dann daz 
ir in garzünes wis Verwafent herren suochet. An iur brünne lit grözer vliz. 
5) HvF. Trist. 1230: Dem knappen uf sin ahsel bein Leget" er sine zeswe hant 
Also reit her Tristant, 1235: Durclr sine zuht der knappe greif Dem herren an den 
steigereif; Alsus gienc imfder knappe neben. Frag" und antworte geben Begunden sie. 
6) Welh. Gast 385: Swenn ze hove kurnt ein vrölneder gast, Diu kint suln 
im dienen vast, Sam er waar ir aller herre.  
7) Welh. Gast 413: Ein juncherr sol üf ein banc, Si si kurz oder lanc De- 
heine wise sten niht, Ob er einn ritr da sitzen siht. 
8) Welh. Gast 441: Ein juncherr und ein riter sol Hie an sich ouch behüeten 
wol, Daz er sin hende habe still, Swenner iht sprechen wil. Er sol Swingen niht 
sin hende Wider eins vrumen mannes zende. 
9) Erec 298: Sin hende habte er für sich, Eim wol gezogenem manne glich, 
Und gienc "da er den alten sach.  Troj. 1778: Der höchgeborne süeze knabe 
Stuont üf mit zühten über lanc Und leite sine hende blanc Vür sich dö bi der 
Stunde; 18651: Dar nach sö leite er unde twanc Sin üz erwelten hende blanc 
Vür sich gezogenliche.  Gr. Wolfdietr. 1927: Sin hende leit er für sich und 
ging für die besten stan.
        

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