Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996481
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Botenbrot. 
str. 4) wie in Passau bei Bischof Pilgrim (p. 218, str. 1. 2) einkehren. 
Waren sie endlich an ihrem Bestimmungsorte angelangt, so wurden 
sie zum Sitzen genöthigt und mit einem Becher Wein erst erquickt, 
ehe man sie aufforderte, ihre Botschaft vorzubringen 1). Stehend richten 
sie nun ihre Aufträge aus 2). Wie beleidigend für den Empfänger die 
Botschaft auch sein mag, der Bote ist geheiligt, an ihm darf er seinen 
Zorn nicht auslassen; denn derselbe hat  nur den Befehlen Seines 
Herrn gemäss gesprochen 3). Nur Barbaren handeln gegen die all- 
gemein anerkannte Sitte, wie der König von Muntabfire, der den 
Boten, welche um die Hand seiner Tochter zu Werben kommen, die 
Köpfe abschlagen lässt 4). 
War die Nachricht eine gute, freudige, die die Boten brachten, so 
Wurden sie reich belohnt, erhielten ein stattliches „Botenbrot"5)  
zehn Ü),  hundert Mark 7) (4000 lila-Mark) ist eine gewöhnliche Gabe  
oder sie wurden mit sonstigen werthvollen Geschenken S), mit kostbaren 
Kleidern 9), Schmucksachen geehrt 10). Die Boten, Welche um die Hand 
der h. Elisabeth werben, werden von deren Eltern frisch equipirt, mit 
neuen Kleidern, neuem Reitzeug, neuen Pferden ausgerüstet") und 
1) Kudr. 767.  Der Knappe, der zum Turnier in Braunschweig einladet, 
wird in Liniön erst bewirthet, und sagt dann nach Tische seine Botschaft. 
Reinfr. 6985. 
2) Kudr. 768: Vil gezogenliche von dem sedele stuont Allez daz gesinde, sö 
noch boten tuont. 
3) Gaydon p. 110.  Renaus de Montauban p. 153, 20: Nus mesagiers ne 
doit mal 0'1'r ne trover. Cil a dit son mesage, il li fu comende. 
4) Ortnit 19: Kumst du ze Muntabüre, sö sich die zinnen an. Zwei und siben- 
zic houbet hat er gesteeket dran, Die er durch der frouwen willen hat laoten 
abe geslagen. 
5) Lanzelet 7704; Mai u. Beafl. p. 5, 20. . 
G) Zehn Mark und reiche Kleider dem Boten, der in Liniön das Turnier an- 
saggt. Reinfr. 324; ebensoviel giebt Meleranz dem Boten seiner Geliebten. Meler. 
3892. Cf. Ottokar CXL. 
7) Gr. Wolfdietr. 2075.  Vaublanc, 1a France au temps des Oroisades, be- 
rechnet (IV, 54) die Mark mit 53 bis 54 Frcs. 
8) Dunnars 8891.  
9) Sal. u. Mor. 1615: Da gab sie ene czu badenbrot Eynen vehen mantel, was 
durchsticket mit golde rot. 
10) Kriemhild giebt dem Siegfried, der die Ueberwindung der Brunhilde meldet, 
24 edelsteinbesetzte Beuge, die er, als vornehiner Mann, aber nicht behält, son- 
dern ihrem Gesinde schenkt. Nib. Z. p. 84, 6. 
11) H. Elis. 537: In der kemenaden Si schriden unde naden Alle iesa zu male 
Gefullet mit zindale Den boden fris gecleide. Man nuwete ir gereide Und alles 
ir gesmide, Daz uberzoch di side Wiz, brun, rot, gel, grune unde bla, Wie man 
si solte haben da. Man gap in ritterlich gewant Unde da zu waehen larisant, 
Nuwe sadele unde pert.
        

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