Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996474
Boten. 
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den Miniaturen der Welislawschen Bilderbibel (hgg. v. Erasm. Wocel. 
Prag 1871. Taf. 19).  Fig. 38.) Die Knappen Waren, wenn sie 
eine solche Reise antraten, durch besondere Wahrzeichen legitimirt, 
an denen Fremde den Absender erkannten l). Dass der bunt bemalte, 
vielleicht nach dem Wappen des Herrn gefärbte Stab dies Abzeichen 
bildete, ist nicht unwahrscheinlich 2). 
Einen verständigen jungen Mann musste man selbstverständlich 
aussuchen, besonders wenn derselbe schwierige Aufträge zu erfüllen 
hatte 3). 
Mit etwas Proviant, Brot, Käse und Wein, ausgerüstet 4), machte 
sich der Bote nun auf den Weg. Gewöhnlich ging er zu Fusse, aber 
mit der Elasticität der Jugend ausgerüstet, vermochte er doch weite 
Strecken in kurzer Zeit zurückzulegen 5). Nur vornehme Botschafter 
machten ihre Reise zu Pferde ab, oder dem Knappen wurde das erlaubt, 
wenn Gefahr im Verzuge warG). S0 bald man an den Feind eine 
Sendung auszurichten hat, muss man sich vorsehen, dass man nicht 
angegriffen wird, und sich deshalb als friedlicher Bote legitimiren. Im 
Kriege gab es da verschiedene Zeichen, durch die die Parlamentäre 
sich kenntlich machten  es wird darüber später noch des weiteren 
gehandelt werden  für Friedenszeiten genügte es, dass der Bote 
einen Falken auf der Hand führte, dann respectirte ihn selbst der 
Feind seines Herrn 7). 
Auf der Reise sprach der Bote wohl hie und da in befreundeten 
Häusern vor, und fand da freundliche Aufnahme, ja erhielt beim Ab- 
schied noch Geschenke. So die Spielleute, die Etzel als Boten an 
den Rhein sendet (Nib. Z. p. 214, 6) und die in Pechlarn (p. 217, 
1) HvF. Trist. 1405: Der knappe sin warzeichen Und sine brieve reichen 
Begunde dem herren in die hant.  Cf. Lanc. III, 16403. 
2) Amadas et Ydoine 1690: En sa main porte -j- bastoncel, De couleurs et 
d'or bien paint, Et au tissu qu'il avoit eaint Ot une boiste de bries plaine. 
3) Herz. Ernst (alte Ausg.) 5311: Wer guten boten Sendet, Ab sin gewerb nicht 
wol sich endet, Wirt sin Wille nicht erfult, Das ist ungluckes schult. Es sal ein 
iglicher Wiser man Zcu wirde guten beten 1mm 
4) Virginal p. 930, 1: Beldelin wart schiere bereit, Den brief er in die bühsen 
leit, Man vulte im sine vleschen: Man gap im win unde bröt, Der edel vürste 
daz geböt. Den kaese er in die teschen Stiez. 
5) Iwein 2132: Min garzün loufet dräte: Im endet ie ze vuoz ein tac, Daz 
einr in zwein geriten nlac. 
6) Wigal. p. 222, 21: Loufen unde riten Hiez man die boten sä zehant Mit 
den brieven in diu lant. 
7) Gr. Wolfdietr. 1741: ,Neina, werder greife, Du solt min bote sin." Einen 
falken satzte im uf die hant die edel keiserin.
        

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