Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996465
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Briefe. 
nicht darauf an, 0b das Wachs des Petschaft-Abdruckes verletzt wird 1). 
Etwas anderes ist es, wenn es sich um offene Briefe (litterae patentes) 
handelt, an denen die Siegel  bei päpstlichen Urkunden die Blei- 
bullen 2)  nur angehängt sind. Eine Be- 
w Schädigung des Siegels reichte hin, die Ur- 
äg  I kunde ungültig zu machen 3); daher er- 
lr ' klärt sich das Siegelfälschen, das zumal 
x "i, in einzelnen Klöstern, wie   in Leubus 
15H 1n Schlesien, ganz gewerbmassig betrieben 
m l wurde. Es braucht nicht gerade die Ur- 
"s  f x'  kunde selbst ein Falsificat zu sein, was 
' übrigens oft genug auch der Fall ist, aber 
7' x dem echten Document war das Siegel ab- 
g KK  handen gekommen oder beschädigt, und 
q da schnitt man sich, so gut es anging, ein 
ähnliches Typar und ergänzte das Feh- 
lende. Die Briefe wurden, sobald sie fertig 
waren, zusammengepackt und in Büchsen 
oder Fässchen (barril) gethan, welche die 
x  Boten am Halse oder am Gürtel trugen 4). 
Darstellungen von Boten finden wir z. B. 
um 38, 30m in der Pariser Minnesingerhandschrift (v. 
d. Hagen, Bildersaal, T. Vlll), dann in 
1) Der Hen- bricht das Siegel und liest dann den Brief selbst oder lässt ihn 
vorlesen. Cleomades 15370: Lors a brisie di rois le seäl et leii A le brief.  Aye 
(PAV-lgnon p. 25: Limes a une leitre au roi el poing plantee Et Karles la. fet lire, 
quant 1a cire ot froee Ä .j- sien Clmpelain qui li a. recordee.  Garin I, p. 179; 
Ren. de Mont. p. 28, 32; Guill. de Palerne 8447; Blancandin 3009; Aiol 10567. 
2) Chans. düäntioche I, 30: Ses lettres a. escrites et burlies de plons (d. h. 
der Papst). 
3) Joinville erzählt (66. 67), dass Ludwig dem Heiligen eine Schenkungsur- 
kunde vorgelegt wurde, deren Siegel zerbrochen war: ,l.i seaus de la lettre estoit 
brisiez, si que il n'i avoit de remenant fors que 1a. moitie des jambes de Pymaige 
dou seel le roy et Feschamel sur quoy li roys tenait ses piez." Alle rathen dem 
Könige, die Urkunde für ungültig zu erklären; er aber erkennt sie grrossmüthig 
als beweiskräftig an. 
4) Troj. 977: Wan er was aller gote bote Und seite eim iegelichen gote, 
Swaz boteschefte in ane gienc. Ein bühse an sinem gürtel 1116110 Mit brieven 
und mit maeren.  Lanc. III, 16403: Hi sach die zegelbusse na das, Ende kinde 
dat teken harde Wale.  Dempereur Constant (Nouvelles frangaises p. 26): La. 
pucielle ouvri 1a, boiste e coumancha. ä baisier les laitres et le saiiel de son pere.  
Garin I, p. 178: Lettres {ist faire et saeler escris, Le mes en porte plain un loarril; 
II, p. 103: De lettres porte li gars plain un barril Par la, corgie ä. son col le pendit.
        

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