Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996452
Schlittschuhfahren. 
Botschaften. 
135 
ziehen viele, die voranlaufen und sich an den Händen halten. Bei" 
dieser Hast gleiten sie oft mit den Füssen aus und fallen alle vornüber. 
Andere sind in ihren Spielen auf dem Eise geschickter: sie suchen 
für ihre Füsse passende Knochenstücke, Beinknochen von Thieren, 
und binden dieselben unter ihren Schuhen an, und haben in den 
Händen Stäbe mit scharfen Eisenspitzen, die stemmen sie von Zeit 
zu Zeit gegen das Eis und gleiten nun so schnell über dasselbe hin 
wie ein iiiegender Vogel oder ein aus der Baliste geschleudertes Ge- 
schoss. Zuweilen treffen nach Verabredung aus grossen Entfernungen 
zwei so von entgegengesetzten Richtungen zusammen, sie streiten, 
erheben die Stäbe, schlagen auf einander, oder einer fallt hin oder 
gar beide, nicht ohne sich am Körper zu verletzen, da sie auch nach 
dem Falle durch die Macht der Bewegung weit von einander hin- 
geschleudert werden, und wo der Kopf auf das Eis aufschlägt, da wird 
er ganz zerschunden, da giebt es ein ordentliches Loch. Meistentheils 
bricht der Gefallene das Bein oder den Arm, wenn er gerade darauf 
fällt, aber das Alter verlangt nach Ruhm, die Jugend strebt nach dem 
Siege; damit sie in wirklichen Schlachten sich um so tapferer bewahre, 
übt sie sich so in Scheinkämpfen." 
Gewöhnlich werden diese jungen Leute auch benutzt, Briefe zu 
bestellen, Botschaften auszurichten. Die Briefe wurden mit Tinte auf 
Pergament geschrieben, gefaltet, beschnitten und verschlossen; wenn 
die Adresse aufgesetzt war, siegelte der Absender des Briefes mit 
seinem eigenen Siegel das Schreiben zu 1). Gewöhnlich ist in unseren 
Erzählungen nur von verschlossenen Briefen (litterae clausae) die Rede; 
dann erbricht der Empfänger das Siegel, in diesem Falle kommt es 
1) Eracl. 1679: Die brieve Wären getihtet, Geschriben unde gerihtet, Unt 
wurden zesamene geleit. Dö man si vielt unt besneit, Man Warmte wahs daz 
was zetriben. Si Wurden gesigelt und übersehriben Mit nennen näch ir rehte. 
Dö gewunnen si die knehte Unt die boten sä. zehant.  Troj. 6386: Alsann daz 
wahs ein ingesigel Formiret näch dem bilde sin, Swerm ez gedrucket Wirt dar in. 
 Alb; p. 502, 10: Li clers e Tparcemin de seu encre escrisoit. Et quant les ot 
eserites li elers si les clooit; Et li rois Alixandres apries les saieloit.  Gaufrey 
p. 274: Ses bries a, fet escrire -j- clere Sarracinour Et puis les seela. de son seel 
majour.  Berte p. 94: Letres li ont baillie en cire seelee.  Blancandin 2947: 
Blancandjns fait  brief escrire Puis met le quarignon en cire. Cf. Guill. de Pa- 
lerne 7396; 9263.  Siegelringe: Wigal. p. 222, 36: Der selbe brief besigelet 
was Under einem adamas In ein guldin vingerlin. Der stein solde ein Zeichen 
sin Siner staeten minne; p. 245, 31: Her Wigälois der hät gesamt Einen brief 
dem herren Gäwein Dar an ein insigel schein, Dez er siner muoter lie D6 er 
mit jämer von ir gie.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.