Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996439
Hofe. 
Zucht am 
Leibesübungen. 
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Am Hofe beginnt nun die Zeit des ernsten Lernens. Mochte der 
Knabe noch so gut daheim erzogen worden sein, hier kam er in eine 
ganz andere strengere Zucht. Gewöhnlich wurde er der Obhut eines 
älteren erprobten Ritters anvertraut, der seine weitere Ausbildung 
überwachte 1), Die Waifenübungen wurden natürlich fortgesetzt; mit 
den zahlreichen Kameraden, die sich am Hofe zusammenfanden, wurden 
Waifenspiele veranstaltet 2) und so die Leibeskraft und Gewandtheit 
gemehrt und vervollkommnet. 
Eine genaue Schilderung von den Leibesübungen der heranwach- 
senden Londoner Jugend hat uns William F itzstephen (Vita Sancti 
Thomae auctore Willelmo lilio Stephani ed. Giles p. 178 ff.) überliefert: 
.,Ausserdem, um mit den Spielen der Knaben von London anzufangen, 
denn wir alle sind ja Knaben gewesen, bringt zur Fastnachtszeit jeg- 
licher Schulknabe seinem Lehrer einen Kampfhahn, und der ganze 
Vormittag vergeht, indem die Knaben in den Schulen den Kämpfen 
ihrer Hähne zusehen. Nach Tische (prandium) zieht die gesammte 
städtische Jugend nach einem Platze vor der Stadt zu dem berühmten 
Ballspiele. Die Schüler der einzelnen Anstalten haben ihre Balle für 
sich; jeder der Handwerker (singulorum ofliciorum urbis exercitores) 
hat meist ebenfalls seinen eigenen. Die Aelteren, die Väter, die Reichen 
aus der Stadt kommen zu Pferde, die Spiele der Jungen zu sehen, 
und werden in ihrer Weise jung mit den Jünglingen, und es scheint 
in ihnen die Bewegung der natürlichen Wärme wieder erregt zu wer- 
den. wenn sie so viel Bewegung schauen und an den Freuden der 
ungebundeneren Jugend theilnehmen. An einzelnen Sonntagen in 
der Fastenzeit zieht nach Tische „der Jugend frische Schaar" zum 
Felde hinaus auf Streitrossen, auf im Kampf erprobten Rossen, deren 
jedes „wohl dressirt und gelehrt im Kreise gewandt sich zu drehen". 
Schaarenweise brechen aus den Thoren hervor die nicht für das „ geist- 
liche Studium" bestimmten Söhne der Bürger, ausgerüstet mit Lanzen 
und ritterlichen Schilden: die Jüngeren führen mit Lanzen, denen die 
Eisenspitze fehlt und die oben gegabelt sind, ein Kriegsschauspiel 
auf; sie liefern spielend Feldschlachten und üben sich in ritterlicher 
1) Als Wigalois an den Hof des Artus kommt (p. 45, 17): Her Gäwein under- 
Want sich sä, Des knaben mit siner läre; Des gewan er frum und äre. 
2) Willeh, 187, 9; Zwischen dem laalase und der linden, Daz man sacll von 
edelen kinden Mit scheftn üf Schilde tjostieren, Dort sich zweien, hie sich vieren, 
Hie mit poynder riten, Dort mit püschen  striten.  WVolü. Titur. 86; Swenne 
runder junchärren üf velden unde in strömen Punierten unde rungen,
        

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