Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996425
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Vorbilder. 
nicht gerade dies Muster jungen Leuten zur Nachahmung empfehlen 1). 
Hugo von Trimberg (Renner 21487) ist gegen diese Bücher jedoch 
sehr eingenommen. Auch Bilder konnten Knaben zur Tüchtigkeit 
anspornen z). Blancandin (57) hat nichts von Ritterschaft hören dürfen, 
ist nie in den Waffen geübt worden, da sieht er auf einem Wand- 
teppich im Zimmer seiner Mutter Schlachtscenen dargestellt und sofort 
wird sein Muth durch diesen Anblick entflammt. Es musste ja auch 
auf die Phantasie eines Jünglings mächtigen Eindruck machen, wenn 
er hörte oder sah, wie Knaben seines Alters, z. B. Partonopeus oder 
Meleranz, auf Abenteuer auszogen, muthig die grössten Gefahren be- 
standen, schöner Frauen Gunst erwarben und schliesslich ein Königreich 
sich erkämpften. 
So War der Jüngling zwölf Jahr und älter geworden 3) und wurde 
nun, wenn er nicht selbst ein Land zu ererben hatte, an einen Fürsten- 
hof geschickt, dort sich weiter auszubilden 4), die Gunst des Herrn 
zu gewinnen und so sein Glück zu machen. 
einem Zelte trifft Gauwain die Schwester des Brandelis; sie scherzen, qu'ele a 
pierdu nom de pucele (Perc. 12131), das Mädchen erzählt ihrem Vater harmlos 
12156: (mesire Gauwain) mon pueelage emporte 0d lui. Als ihn der Vater zur 
Rede stellt, tödtet er ihn. Wie er selbst erzählt, passirt es ihm bei einer anderen 
Schönen „qn'a force le despucelai" (Perc. 17095). 
1) Titnr. 2907: Swer ritterlich geverte sol ritterlichen triben, In sehimpf oder 
in der herte, der sol daz nimmer gerne lan beliben, Er hor da von gerne lesen, 
sagen, singen: Daz git im kunst und ellen noch mere danne mit toren gampel 
ringen. 2910: Daz selbe man noch heute in aller der werlde priset, Alle werden 
leute werden des hie vil wol nnderwiset. Swache dinc die lert ez niemen werben. 
Die deutsch nie lesen gehorten, der siht man tnsent stunt mer untete verderben. 
2) Welh. Gast 1097: Von dem gemalten bilde sint Der gebüre und daz kint 
Gevrenwet oft: swer niht enkan Versten swaz ein biderb man An der schrift 
versten sol, Dem si mit den bilden wol. 
3) Boge und Wahsmut sind elf Jahr, Wolfdietrich dreizehn Jahr alt „d0 be- 
gnnden sie howen helm und schildes rant". Gr. Wolfdietr. 267.  Mit zwölf 
Jahren zieht Meleranz schon auf Abenteuer aus. Mel. 212 ff.  Dagegen beginnt 
Alexins erst mit zwölf Jahren seine Walfenübungen. Alex. A. 175: Do ez ze zwelf 
jaren kam Von der schuole man ez nam. Man lärtez tuon riterschait Mit kreften 
schiezen den schaft, Vehten mit buekelaere. 
4) Kaiserchron. 14315: Ein site was dannoch (d. h. zu Kaiser Karls Zeiten), 
Daz man die jnncherren zöch Mit michelen vlize Üz allir slahte riche In röme- 
skeme hove. Swenne iz dar zuo kein, Daz in Römaere swert gaben, Wie willic 
sie in danne waren. Vröliche sie sie danne santen Wider zuo ir landen. Von 
diu dienden in die riche Alle vorhticliche.  Aber manche Knaben kehrten über- 
haupt nieht mehr nach Hause zurück. Erec hat seinen Vater seit seiner Kind- 
heit nicht mehr gesehen (2867): Wan er was dar niht keinen, sit Daz er was 
ein kindelin.
        

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