Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996418
J agd. 
Vorbilder. 
131 
eine mehr als gewöhnliche Geschicklichkeit, und daher kann auch Gott- 
fried von Strassburg im Tristan (4712) des Bliker von Steinahe Gewandt- 
heit in der Dichtung mit dem geschickten Messerwerfen vergleichen 1). 
Den ersten praktischen Gebrauch der Waifen lernt der Knabe auf 
der Jagd. Parzival geht schon in früher Jugend mit einem Bogen und 
dem Wurfspiess bewaffnet auf die Jagdi). Es gehört aber geradezu 
zur höfischen Erziehung, im edlen Weidwerk wohl erfahren zu sein. 
Tristan verdankt seine ersten Erfolge am Hofe des Königs Marke der 
Gewandtheit, mit der er eine kunstgerechte Curee zu arrangiren Weiss 3). 
Den Hirsch und Eber anzupirschen oder im Treiben zu jagen, die 
Falken recht zu dressiren und mit der Beize vertraut zu sein, vor allem 
das J agd-Caerimoniell und die Jägersprache recht zu verstehen 4), das 
musste jeder junge Mann, der auf höiische Bildung irgend Anspruch 
machte, gründlichst gelernt haben. 
Die Vorbilder aller ritterlichen Tüchtigkeit Waren dem Knaben, 
dem heranwachsenden Jüngling, die Helden der Romane. Thomassin 
von Zirklar (Welh. Gast 1041 ff.) fordert sie auf, sich ein Beispiel zu 
nehmen an Gawein, Clies, Erec, lwein, Artus, Karl, Alexander, Tristan, 
Seigrimors und Kälogriant, aber nicht an Key. Besonders preist er 
Gaweins reine Tugend. Jedenfalls hat er die Geschichten nicht ge- 
lesen, die Chrestien de Troies zu erzählen Weiss 5), sonst würde er 
1) Trist. p. 119, 34: Wie er diu mezzer wirfet Mit behendeclichen rimen. Vgl. 
Herhorts Troj. 9307: Scharfer mezzer iiere Warf er fort und wider Beide hoch 
und nider, An dem {alle er sie finc. 
2) Parz. 118, 4: Bogen unde bölzelin Die sneit er mit sin selbes lmnt Und 
schöz vil vogele die er vant; 120, 2: Er lernte den gabilötes swanc, Dä. mit er 
mangen hirz erschöz. 
3) Tristan p. 73, 3fF.  
4) Rom. de Rou 3825: Bien sout esprevier duire e ostour e falcon; Cers e 
bisses font prendre et altre venoison Et sun sanglier tout soul sziinz altre com- 
paingnon.  Qhron. des Ducs de Normandie H, 21579: E se ount apris vaslez 
petiz De fauc0n et d'ostor muier; Nus ne sout plus de riveier De chiens, de 
moetes (Meute), de berser, De prendre un cerf ne un sengler.  Osmunt, der Er- 
zieher Richards I. (Chron. des Ducs de Norm. 13679), will seinem Zögling lehren: 
Vout li enseignier e mostrer Cum l'0m deit faire oisel voler, Paistre, reclamer 
e tenir.  Troj. 6200: Mit sinem spieze enphähen Muost er diu küenen eber- 
swin.  Lanz. 290: Birsen, beizen unde jagen Und mit dem bogen ramen.  Huon 
de Bordeaux (p. 221) rühmt dem Heiden Yvorins seine Kenntnisse: Je sai moult 
bien  esprivier muer, Si sai cacier le cerf et le sangler; Quant jou Pai pris, 
le prise sai corner, Et 1a droiture en sai aus ciens donner. 
5) Kaum bei der Dame angelangt, die Wolfram Antikonie nennt (Pero. 7205): 
Mesire Gauwain le requiert Demors; 7208: Et ele nel refuse mil Ains li otroie 
volontiers. Chrestien ist aber nicht so ausführlich wie Wolfram (Parz. 407, 2  In 
9'319
        

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