Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996354
Wissenschaftliche Bildung. 
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und Federinesser in einem Schreibzeug (afr. escritoire; mlat. scrip- 
tionale) immer bei sich 1). 
S0 weit ist die wissenschaftliche Erziehung der Knaben und 
Mädchen im wesentlichen dieselbe. Sollten die Knaben dagegen eine 
bevorzugte Stellung dereinst einnehmen, Landesfürsten werden, so 
mussten sie wohl noch etwas mehr lernen, eine Idee von den Kennt- 
nissen ihrer Zeit auf dem Gebiete der Kosniographie sich erwerben 2), 
vor allem das Recht und das Rechtsprechen ihres Landes gründlich 
kennen lernen 3). Begnügten sich die Eltern nicht mit dem, was an- 
genommene Lehrer dem Knaben beibringen konnten 4), dann schickten 
sie dieselben in Begleitung des Hofineisters zu berühmten Lehrern, 
die sie in den sieben freien Künsten unterrichteten. So wird Lucemiens, 
als er das siebente Jahr erreicht hat, nach Rom gesendet und dort 
der Schule des Virgil anvertraut. Der Unterricht dauerte sieben Jahre; 
die Kinder sassen während der Schulstunden auf der Erde vor dem 
Lehrer und lernten aus ihren Schulbüchern 5). 
Die Erziehung wurde mit Strenge durchgeführt. Unarten, wider- 
spänstigesWesen, Faulheit wurden durch tüchtige Schläge den Kindern 
ausgetrieben G). Ein heranwachsender Recke fügte sich nicht so gut- 
1) Les braies au cordelier 273. (Meon, Fahl. III, 177.) 
2) Alexanderl. 214: Er lartin aller dinge zale Unde lnrtin a1 die wisheit, Wie 
verre diu sunne von dem nmnen geit; Unde lartin oueh die Iist, WVie verre von 
den wazzeren zo den himeien ist. Der meister, den er do gwan, Was Aristotiles 
der Wise man, Der lartin alle di chundicheit, Wie der himel umbe g-eit Unde 
stach ime die list in sinen gedanc Zerkennene daz gestirn unde einen ganc.  
Aye d'Avign0n p. 78: Ii rois T2. fet alarendre de tot son errement Et dbsches et 
de tables, de ce set il forment Et du cours de estoiles et du t-rone. tornant. 
3) Alexanderl. 245: Der sehste bestunt in mit grozer Witzen Unde lartin ze 
dinge sitzen Unde lartin, wie er daz irdehte, Wie er von dem unrehten Besehiede 
daz rehte Und wie er lantreht bescheiden kunde Allen den er is gunde.  'l'r0j. 
17974: Er hete von lztntrehte Gelernet an der schrifte gnuoc. 
4) In der Anm. zu Ordericus Vitalis I. XIII, e. 9 erwähnt Le Prevost, dass 
um 1060 Raturirls consiliztrius Infantis (Roberti (Iucis Norm. T 1134) und ein 'l'0t- 
boldus gramaticas vorkömmt; später wird Hilgericus magister pueri erwähnt.  
1222 luilgeit nach Jerusalem Philippus de Albeneio „n1i1es strenuus    regisquo 
Anglorum (Henrici III.) magister et eruditor fidelissiinus." Matth. Par.  1246 1' 
„quidam nobilis de propria rcgis hunilia, videlicet Hugo Gitfzmlus iiliorum regis 
paedagogus." Matth. Paris. 
5) Dolopathos p. 43. 65. 48: Li enfimt de maint haut baren Devant 111i ä. 
terre seoient, Qui ses lazri-oles entendoient, Et chascun son livre tenoit Einssi 
eomme il les enseignoit.  
6) Mai u. BGiLÜ. p. 195, 11: Uf ere ez gezogen wart Und doch niht sere ver- 
zart, Als man etlicher kinder pfiigt, AnA den man zühte sich bewigt. Swer {m0 
vorhte und äne zuht Wchset, d-Et nimt Ere vluht, Und alten ouch im ere, Swer
        

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