Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996308
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IIöHsche 
Zucht. 
Wer diese verstand, war hövesch, courtois. Unser Wort höflich, 
hübsch, ist von dem höüschen Wesen abgeleitet. War der Hof die 
Stätte der feinen Sitte, so sind die Unsitte, Hegelhafte, ungebildete 
Manieren, tölpelhaftes Wesen im Dorfe zu finden. Ein dörper, villain 
zu sein, galt für den höchsten Schimpf; eine dörperie, villenie zu be- 
gehen, war eines gebildeten Menschen im höchsten Grade unwürdig. 
Gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts sprach Adenes li Rois in 
in seinem Romane Cleomades (135 1T.) es schon offen aus, dass nur Leute 
edler Geburt ehrenhaft, treu, bereit seien für ihren Fürsten das Leben 
einzusetzen, die niederen Volksklassen, eben jene Villains, des Ehr- 
gefühls baar, den Tod feig fürchten, nur auf Gelderwerb bedacht, zum 
Verkehr mit einem Fürsten sich nicht eigneten. In jenem höiischen 
Wesen wurden die Kinder erzogen. Unter Zucht (zuht) versteht man, 
wie im mittelhochdeutschen Wörterbuch sehr richtig erklärt wird, „die 
edlere Bildung des Gemüthes, Welche eine Frucht der Erziehung ist, 
und sich sowohl durch zartes menschliches Gefühl, das dem Wilden 
fehlt, als durch Sittlichkeit, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung und 
äussere feine Sitten äussert". Unzucht (unzuht) ist nach mittelalter- 
lichem Sprachgebrauch nur das Gegentheil der Zucht. 
Diese höflsche Bildung beruhte zunächst auf einem anständigen 
Benehmen 1), dann auf der Kenntniss der gewöhnlichen Spiele 2), der 
Musik 3) und der Sprachen. Schon im zwölften Jahrhundert war es 
1) Graf Rudolf p. 14: Durch lninen willen sultu phlegen Wisen zu der hovi- 
scheit Und leide ime die dorpericheit; 19: Zu den vrouwen szul er gerne gen, Ge- 
zogcntliche vor in stan Unde ouch bi in sizzen.  Lanz. 256: Si lörten in ge- 
bären Und wider die vrouwen sprechen; 261: Zemäize muos er swigeil.  Wigul. 
p. 36, 12: Die dö die tiursten Wären Und die besten riter dä Die unclerwunilen 
sich sin sä. Si lertenz riten unde gen Mit zühten sprechen unde sten.  'l'itur. 
2908: Sprechen und gebaren mit hcefschen siten riche.  Ulr. v. Lichtenst. Frauend. 
9, 15: Er lert mich sprechen wider diu wip. 
2) Gaufrey p. 317: Et fet Ogier nourrir de bonne volontes Ou il nprist asses 
des esches et des des.  Guy de Nzinteuil p. 4: Et quant il ont  bien galo- 
pent destrier Et (Pesehen et de tables lez font enseignier.  Pzirise 1a duchesse 
p. 29: Quant lkmfes ot -xv- (zu lesen -v- ) ans compliz et IJELSSGZ Premiers apnst 
ä, letres tant qu'il en sot assez, Puis aprist il es tables et ä, eschas ä joier. 11 n'a, 
ome au cest monde qui 1'en peust muter.  Trist. p. 55, 1: Aller hande hovespil 
Diu tete er wol und kunde ir vil. 
3) Alexanderl. 207 : Sin meister, den er dar nah gwan, Der lartin wol musi- 
cmn Unde lartin die seiten zihen, Daz alle tonedar inne gillell, Rotten 1111616 der 
liren clanc Unde von ime selbe heben den sanc.  Trist. p. 54, 15: S0 vertete er 
siner stunde vil An iegelichem seitspil.  Wigum. 342: Er lernt in seiner kint- 
hait Tugent gefuglichkait, Singen und saittenspil Und auch ander hubschhait vil. 
 Lanzel. 262: Harpfen unde gigen Und allerhande seitenspil, Des kund er me 
danne vil, Wand ez was dä. lantsite, Die vrouwen lerten in dä nlite Bnltliche singen.
        

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