Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996261
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Ammen. 
Kindheit. 
Gräfin, ein Bürgerkind von einer Bäuerin gesaugt worden, aber in 
seiner Zeit nehme man Dienerinnen und Schiiferinnen zu Ammen, 
um Geld zu sparen, und damit Werde das echtadelige Blut verdorben 1). 
Bis zum zweiten Jahre wurde das Kind von der Amme gestillt 2); 
sie beaufsichtigte seine Spiele und hatte für seine körperliche und 
geistige Entwicklung Sorge zu tragen. Wer es konnte, hielt dem 
Kinde wohl auch mehrere Wärterinnen, die geineinsain die Pflege 
übernahmen 3). 
S0 wuchs das Kind heran. Zuerst kroch es auf dem Boden hin; 
dann, als die Beinchen hinreichend erstarkt, richtete es sich an den 
Stühlen selbst auf 4), und wenn es dann stehen konnte, wurde es durch 
Geschenke ernluntert, einige Schritte zu wagen, und lernte so das 
Laufen 5). Bis zum siebenten Jahre blieb der Knabe unter dem 
Schutze der Frauen in der Kemenate G); selbst das Gesetz erkannte 
an, dass ein Kind bis zu diesem Alter der mütterlichen Pilege nicht 
1) Rom. des 7 sages 185: Les gens erent or (l'autre sens, Coustoume egtoit a 
icel tens, Que fils a1 roi (bien le Vous di) Par fennne a duc estoit norri; Iienfant 
au duc, quant estoit nes, A femme a conte estoit livres, Denfant au conte a caste- 
laine, Ja nel baillast nule vilaine. Uenfant a1 signor del castiel Redevaloit un 
esehamiel; La femme au noble vavassour Le nourissoit par graut amour; Denfant 
au vavassour courtois nourrissoit 1a femme au bourgois; Ifenfant an bourgois 
descendoit, femme a vilain le nourissoit; Penfant au vilain estore A 1a fenunc 
au poure est liuvre. llluec si prennoient estal, Que ne pooit aler aval. Lors 
estoit droite 1a lignie, Mais 01' est forment abaissie, G'une fennne toute cour- 
sal Nourri le H1 d'un amiral; Quant i1 de li larent noureture, Sentir se doit de 1a 
nature. Drois est, que li fils a 1a chate Prenge 1a sorris et 1a rate; 217: Quant 
un haus home a un enfant Son iils courtois et avenant, Lors clevroit une g-entil 
femme Querre entour 111i partout le regne, Se li fesist Tenfant baillier, Pour bien 
norrir et ensaignier; Mais par forche ne fait il pas, Ses malvais cuers li tant, li 
las! Ains fait querre une cambeiriere Une chaitive bregiere, La plus povre k'i1 
puet trover, Por 1e petit loier donner; A clieli est Fenfant baillie. 
2) Peru. 1651: Petis esties et alaitans Poi avies plus de -ij- ans. 
3) Rom. des 7 sages 1184: Et len 1i bailla maintennnt Trois IIOIITlClIGS por 
lui servir, Por en nourir et por chierir. lTune des trois Tavoit baignie Et l'autre 
si Favoit couchie, La terche" sert de Palaitier Et de lui bien appzmrillier.  Guill. 
de Palerne 35: De quatre ans ert li damoisiax; 38: Mais 1a roine tant par non 
Tot a deus dames connnande, Qu" ele amena de son regne; 43: Celes le conunende 
a garder A enseignier et doctriner Moustrer et enseignier 1a loi Connne 011 doit 
faire 111 a roi.  Lanzelet 92: Mit schoener vrouwen handen Wart ez vil dicke 
gewaget. 
4) Wolfr. Tit. L. l, 8G: Swa kint lcrnent üf stän an stüeln, diu luüezen ie zem 
ersten dar kriechen. Cf. Tit. 731. 
5) Wolfdietr. A. 38: D6 sazte man den kleinen, daz er 131 der tavele stuont, 
Dö er geloufen inohte, als noch diu kindel tuoait, D6 gap man im durch liebe 
brät in sine hant. 
6) GvStr. Trist. p. 53, 16 1T.
        

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