Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996234
Taufe. 
113 
dem Kirchgange der Mutter gemeinsam gefeiert 1). Das Kind wurde 
in einem schönen Kleidchen, bedeckt mit einer kostbaren Decke, zur 
Kirche getragen 2) und da nackt in das Taufbecken eingetaucht. Dass 
es bei der Taufe völlig entkleidet ist, geht schon aus der Redensart 
„nacket als ein westerbarn" (Herbort Troj. 17530), „ nackt wie ein Tauf- 
kind" hervor, und es ist daher die unten angeführte Stelle aus dem 
Brun de la Montaigne schwer zu erklären, da die Kleider beim Taufen 
nicht nass werden konnten 3). Auch wenn die bekehrten Heiden ge- 
tauft wurden, mussten sie sich entkleiden, und selbst Damen durften 
sich dieser Sitte zum Ergötzen der der Feier beiwohnenden christlichen 
Ritter nicht entziehen 4). Sobald das Taufkind (westerbarn) 5) aus dem 
Wasser gehoben war, wurde ihm ein weisses Taufhemd (WBSÜGYWäQG) 
angezogen, das aber dann bald wieder mit den gewöhnlichen Kleidern 
1) Titur. 1079: Die fürsten alle geliche Keiner dannen wolde E daz die eren 
riche nach den Wochen sehsen, als sie solde Ir kint daz rein zur cristenheit be- 
reiten, Dzxz man ez toufen solde.  GvStr. Trist. p. 50, 35: Nu daz diu guote mar- 
schalkin Der noete genesen solde sin Und nach ir sehs Wochen, Als den vrouwen 
ist gesprochen, Des suns ze kirchen solte gän, Von dem ich her gesaget hän, Si 
selbe in an ir arm neun Und truog in suoze, als ir gezam, mit ir zem gotes hüse 
adsö Und als si ir inleite dö Gotliche haete enphangen Und was von opher ge- 
gangen Mit schoenein ingesinde, Dö was dem kleinen kinde Der heilige touf 
bereitet.  
2) H. Elis. 334: Nach kuniclicher ere Druch 
Waehen sloufe, Der decke was ein baldekin, So er 
den kramen. 
man si zu der toufe In einer 
beste nmchte sin Zu Ovene in 
3) 1460: Ainsi tost que Bruns fu declens Pizwe plungies, S'il en but ne vous 
en merveillies, Gaires n'i demoum pour certain le sachies, Si tost qu'il fu leves 
i fu rapareillies, Et en dras de {in 01' noblement recouchies, Gar li dras ou il 
fu estoit forment moullies Et pqur ce estoit il es autres recouchies. 
4) Gaufrey p. 275: Adonc s'est devestue la bele (Fleurdelnine) 0 le chief blon 
En la euve Tont mise li noble baren. Vgl. besonders Fierzubras p. 181.  UvdTürl. 
H. Wllll. p. 137: Ja. herre der pabest si (Arabele) slouft Uz dem hemde, da Schein 
Sie bloz, Dri Stunt her am llf Si goz Daz iz ober all iren lip da. vloz. 
5) Herb. Troj. 14049: D0 ich was ein Weste barn. Vgl. H. Elis. 2356. Lohengr. 
5084: Der lozibest sprach, min sel si pfant, Swer daz leben verliuset mit wernder 
bunt, Daz ich denlals ein westerbarn küncle hiut vor gutes angesicht. 
6) UvdTürl. H. Wilh. p. 138. 144.  ibid. p. 127: maning toulfeberiz cleit.  
H. Elis. 2356: Wa. si ouch junge Westebarn Armer vrouwen kinde vant, den nade 
si ir doufgewant.  Wolfdietr. A. 28: S1 dir liep daz kindelin S0 behalt unz in 
sin alter daz toufgewzete sin.  Titurel 1082: Nu wart ouch er gesloufet ln sin 
wester kleit; 6141: Wan in der touf gelich der sunne clm-ieret 'l'oufes wat die 
blanke.  Wilh. v. Wenden 3567: S111 snövar wosterhenule Wolter ze wäpen- 
rocke hän. 
Schultz, höf. Leben. I. S
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.