Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996191
Kindersegen. 
über 
Freude 
die Geburt eines Sohnes. 
109 
Schon die erste Nachricht, dass die Geburt eines Kindes in Aussicht 
stand, erfüllte den zukünftigen Vater mit höchster Freude und trug 
der Gattin ein schönes Geschenk ein 1). Für alle Fälle hinterliess der 
Mann, wenn er von seinem Weibe sich gezwungen oder freiwillig 
trennte, einen genauen Nachweis seines Starnmbaumes, damit, sollte 
er nicht mehr zurückkehren, das erwartete Kind doch wisse, wer seine 
Vorfahren gewesen (Parz. 55, 17-56, 26). 
Die Ankunft des Sprösslings, vor allem eines Stammhalters, wurde 
mit noch grösserem Jubel begrüsst. Nicht nur die nächsten Ange- 
hörigen nahmen an der Freude der Eltern theil, auch die Unterthanen 
feierten festlich die Geburt ihres künftigen Herrn. Sobald die Pariser 
die Geburt des Prinzen, der später unter dem Namen Philipp August 
berühmt wurde, erfuhren, durchzogen sie mit brennenden Lichtern die 
Stadt und alle Glocken wurden geläutet (Giraldus Carnbrensis, de instr. 
princip. Dist. III, c. XXV). Und als 1239 Alienora, die Gemahlin 
Heinrichs III. von England, ihren ersten Sohn Edward gebiert, be- 
glückwünschen sie die Grossen des Landes; am meisten aber freuen 
sich die Bürger von London, weil in ihrer Stadt der Knabe geboren 
worden ist. Mit Tanz und Paukenschall, mit nächtlicher Illumination 
wird das frohe Ereigniss gefeiert 7). War der Vater des Kindes ab- 
wesend, so wurden eilends Boten an ihn entsendet 3) und der Ueber- 
bringer der freudigen Nachricht konnte auf werthvolle Geschenke, auf 
ein stattliches "Botenbrot" mit Sicherheit rechnen. Kaiser Heinrich III. 
war 1054 gerade in Tournay, als ein Bote ihm die Geburt seines 
Sohnes, des späteren Heinrichs IV., meldete; er reichte ihm zur Be- 
lohnung den goldenen Trinkbecher, den er gerade in der Hand hielt 4). 
Este. Da. nach ungnrischem Rechte die Wittwe, die nicht Söhne von dem Ver- 
storbenen hat, nicht erbt, so geht sie zu ihrem Bruder nach Tyrus (Saders) und 
erklärt dort ihre Schwangerschaft: „Sie enplöst sich ir chlaider Und liez mitnich- 
Ieichen sehen: Die solche zaichen chunden spehen, Dieselben zu den malen Der 
fYibWßn (191 gehalen, Daz sy wer swanger." Sie gebiert einen Sohn, Andreas (III. 
1' 1301), der später König von Ungarn wurde. (Ottokar von Steier XCVII.) 
1) Mai u. Beafi. p. 97, 13: Si sprach: „1iebe1' herre min, Wizze, ich trage 
ein kindelin, Nü gip mir daz botenbröt." 
2) Et congratulabantur ei omnes magnates regni, sed cives maxime Londi- 
nenses, qui LoncIini natus est inümtulus, dueentes choreas in tympanis et sistris 
et noct-ibus cum magnis luminaribus lalateas illuminantes. (Matthaeus Paris.) 
3) Mai u. Beaii. p. 129, 9 ff. 
4) Ferunt et aliud memorabile eum ibi fecisse, quod cum quidzuxi legatils de 
regno eins veniens nuntiaret, nuper natum ei filium illum videlieet Henricum    
auream cuppam, quam ad bibendum manu forte tenebat, ei dono porrexit. Chron. 
S. Andreae II, 21.
        

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