Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-996070
Gesmunlteinriehtung 
der 
Wohnräume. 
Turner 1) bringt schon p. 11 mehrere Beispiele solcher farbigen Dee 
coration aus der Bayeux-Tapete und aus Miniaturen bei. Gewöhnlich 
sind gewiss die Schlösser in dieser Weise nicht verziert worden, aber 
dass es hin und Wieder geschehen ist, dass die Dichter nicht geradezu 
dies bloss ersonnen haben, das scheint mir nicht anzuzweifeln. 
Die Gesammterscheinung eines Schlosses wird uns am anschau- 
lichsten von Lambertus Ardensis (Hist. Com. Ard. et Ghisnens. c. 
CXXVH) geschildert. "Nach Abschluss des Friedens zwischen Ma- 
nasses Graf von Guines und Arnold dem Herrn von Ardres wurde auf 
dem Donjon von Ardres mit bewunderungswürdiger Kunst der Zimmer- 
leute ein Holzhaus gebaut, Welches alle damaligen Häuser in Flandern 
zugleich durch sein Material weit übertraf. Ein Künstler und Zimmer- 
mann aus Bourbourg, Namens Ludwig, in dieser Kunst Wenig ver- 
schieden vom Dädalus, entwarf es und zimmerte es und bildete 
daraus ein fast unentwirrbares Labyrinth. Vorratsraum (penus) fügte 
er an Vorratsraum, Kammer an Kammer, Wohnzimmer (diversorium) 
an Wohnzimmer, Kornkammern und Keller fehlten nicht, und an einer 
passenden Stelle, an der Ostseite des Gebäudes, hoch oben wurde eine 
Kapelle aufgebaut. Drei Geschosse aber richtete er ein, indem er den 
Söller hoch oben gewissermassen in der Luft, weit vom Fussboden 
erbaute. Das erste Gestock lag ebener Erde; da waren die Keller, 
Kornkammern, auch die grossen Kasten, die Fässer und Kufen und 
andere Hausgeräthe. Im zweiten Geschosse aber waren die Wohn- 
zimmer, der den Bewohnern gemeinsame Gesellschaftssaal (communis 
habitantium conversatio), die Vorratskammern hier der Bäcker (pane- 
tariorum), hier der Schenken, dort des Herrn und seiner Gemahlin 
Schlafkammer, an die sich der dienenden Jungfrauen (pedissequarum) 
und der Knaben Kammer oder Schlafsaal anschloss. Hier War an 
einer geheimeren Stelle der grossen Kammer ein geheimes Gemach, 
in dem man des Morgens früh oder am Abend, oder bei Krankheiten, 
oder um Ader zu lassen, oder die dienenden Jungfrauen oder die 
entwöhnten Kinder zu erwärmen, Feuer anzumachen pflegte. Mit 
diesem Geschosse, sich an das Haus anschliessend, stand die Küche 
in Verbindung, und auch sie hatte zwei Etagen, in der unteren Wurden 
Schweine fett gemacht und genährt, da waren Gänse, da Kapaunen 
und anderes Geflügel zum Schlachten und Verspeisen stets zur Hand. 
In dem anderen Geschosse der Küche verkehrten nur die Köche und 
die Küchenbediensteten, und in ihm wurden die delicaten, mit mannig- 
of 
I. 
1) Some account 
S chul tz . höf. Leben. 
domestic 
architecture in England. 
Oxford 1851. 
7
        

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