Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995987
Schlosskapelle. 
Schlosse eine Kapelle vorhanden gewesen. Gestattete es der Raum, 
so wurde ein Einzelbau errichtet; so steht z. B. die Kapelle in Coucy 
isolirt da, liegt jedoch nicht im inneren Beiestigungsbezirk  Sonst 
half man sich so gut es eben ging, und verlegte sie wo sich eben ein 
schicklicher Platz fand z). So liegt im Schlosse Gelnhausen die Kapelle 
über der Thorhalle, in der Wartburg im Palas nahe dem Saale. Die 
Chornische liess man gern erkerartig über die Aussenwantl hervor- 
treten und markirte dadurch die Lage der Kapelle. So in Landsberg 
im Elsass. Häufig kommen nun Kapellen vor, welche in zwei Etagen 
über einander erbaut sind. Ich erinnere an die Sainte-Chzrpelle zu 
Paris, die Kapelle im erzbischöflichen Palast zu Reims; ähnlich ist 
die romanische Kapelle auf der Kleinfeste zu Stein in Krain an- 
gelegt 3) und es werden sich dieser Denkmale gewiss noch viele auf- 
finden lassen. Diese Art der Doppelkapellen ist meines Erachtens 
dazu bestimmt, dass in der oberen der Gottesdienst für die Herrschaft, 
in der unteren der für die Dienersclnift abgehalten wurde. Sie stehen 
durchaus mit einander in gar keiner Verbindung, sind vielmehr durch 
feste Decken von einander getrennt. Ob eine solche Oommuniczrtion 
in der romanischen Schlosskapelle zu Gösting bei Grätz in Steier- 
1na1rk4), in der gothischen Kapelle zu Grünburg in Kärnten 7') vor- 
handen war, ist nicht mehr mit Bestimmtheit zu sagen, da von (len 
trennenden Balkendecken nur noch die Lageröiiiiuiigeli an den Wänden 
erhalten sind. Jedenfalls aber hat auch da, wo eine vollständige 
Trennung beider Etagen erzielt war, die untere zum Todtengottesdienst 
gedient. Ich möchte, um in diese so viel bestrittene Frage etwas 
Klarheit zu bringen"), zunächst auf zwei Belegstellen aufmerksam 
machen, die, wie ich glaube, noch nicht Beachtung gefunden haben. 
In den Gestis Abbatum Gemblacensium c. 36 wird erzählt, dass Abt 
Olpertus von Gembloux (1012-48) „p0stea (d. l1. nach 1022) etiam 
eonstructo duplici oratorio inferius in honore Johannis laaptistae et 
evangelistae, superius in honore Michaelis archangeli et Stephani 
prothonnirtyris ab eodem Raginardo (episc. Leodiensi) sollemniter 
1) Vgl. Lzunberti Ardensis Hist. com. Ard. et Ghisn. c. LXXVI: Porro extra 
(1011111111 zmte portam aedificii (castelli (Äähisncnsis) miro Iapidunl et Iignorum ta- 
bulatu Salolnoniacae gloriae capellaln aedificavit. 
2) Ibid. c. LXXVI: In exitu autem turris (mpud TOYDGIICIU) in tcstudine In.- 
pidea capellaln inclusit. 
 3) Mitth. d. k. k. Conunission. XIV, p. XCI. 
4) Mitth. d. k. k. Connnission. XVI. p. 46.  
5) Mitth. d. k. k. Oonunission. II. p. 327. 
6) S. die Litteratur bei Otte, Hdb. d. kirchlichen KunSt-Archäologieß p. 20.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.