Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995901
Festsaal. 
Wohnzinnner. 
oder sollte ein Fest begangen werden, so wurde in dem Saale 
gespeist 1). Zwar werden auch besondere Speisesäle (muoshiuser) 2) 
genannt, die dann ausschliesslich für die Bankette bestimmt waren, 
aber nur in den grössesten Fürstenschlössern mögen sich solche ge- 
funden haben. Waren dann nach der Mahlzeit die Tische hinausge- 
tragen, so wurde auch im Saale getanzt 3). Ja wenn Mangel an Raum 
vorhanden war, man die Gäste in den Kammern nicht alle unter- 
bringen konnte, auch bei den Bürgern der Stadt kein Quartier für sie 
bereit stand, so richtete man in dem Festsaale selbst den Fremden die 
Schlafstätten her 4). Die vornehmen Gäste bekamen ein Bett für sich, 
die Ritter aus deren Gefolge mussten zwei und zwei ein Lager theilen 5). 
Die Wohnzimmer des Burgherren und seiner Familie lagen eben- 
falls in einem Palas. Sind sie heizbar, so heissen sie kemenatenß) 
(mhncaminatae), phiesel 7) (mlt. pisalis,franz. poele) oder phieselgadem S). 
Von der "heimliche", dem Privatzimmer der Herrschaft, wo dieselbe ihre 
wichtigsten Geschäfte besorgte, wissen wir wenig genug 9); mehr er- 
zählen uns die Dichter von den Schlafzimmern 10). Diese Kemenaten sind 
1) Wigal. p. 48, 16: Kom ein maget riehe Geriten hoveschliche Mit ir ge- 
twerge üf den sal, Dä die riter über a1 An dem tische säzen Trunken unde äzen. 
2) Wigal. p. 47, 35: Dö hiez der künic Arbüs Tragen in sin muoshüs Die 
pfelle ungeschröten.  Oröne 3331: Nu was sin selbes muoshüs Beräten vil un- 
tiure Mit einem grözen viure, Daz heiz was unt äne rouch.  Titurel 4820: 
Zenakel und kemenate. 
3) Wigal. p. 249, 36: Der sal was schoene unde wit, Lüter, eben als ein glas. 
Vil grözer tanz dar üffe was Von ritern unt von frouwen. 
4) H. Georg 2667: Man bette eine uff des koniges sal.  Wigal. p. 112, 31: 
Her Wigälois dö släfen gie Üf einen wünneelichen sal.  Iwein 12: Er leit sich 
släfen üf den sal.  HvF. Trist. 2895: Si stuonden uf über a1, Die da lagen in 
dem sal, Si begunden sich rottieren, Als 0b sie turnieren Wolden in derselben 
zit. Vil geschallet und gesehrit Wart in des küneges mushus. 
5) HVF. Trist. 2658: Er hiez im in den palas Betten unt den andern gar, Die 
mit im komen waren dar. Der künik Artus lak eine Unt darnach ie gemeine 
Zwene und zwene lagen, Die mit einander pilagen Slafes. 
6) HvF. Trist. 2679: In des küneges palas Einiu kemenate was Gebuwet 
schone und her-lieh. 
7) Kaiserchron. Diemer 427, 24: Si enböt llltio, si newürde niemei- vrö Erne 
kome in ir phisel.  Kudr. 996: Dü muost minen lahiesel heizen und selbe sehürn 
die brende. 
8) Kudr. 1064: Sö dü dich ofte gerne in dem phieselgademe liezest vinden; 
1298: In ir phieselgademe sol ir deheiniu niht beliben. 
9) Trist. p. 262, 16: Hie mite giengens dan si dri Durch rät in ir hein- 
hohe.  Frauendienst p. 57, 20: Diu W01 gemuote danne gie in ir heimliche; 
p. 60, 17: In der zit min schriber quam, Den ich in min heimlich nzun. Vgl. p. 
350, 19; p. 371, 31. 
10) Lanz. 4818: Dar inne stuont ein släfgadenl.
        

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