Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2153
landes oder seiner jungfraulichen Mutter auszusehmüeken. Bei der 
Glaubensinnigkeit der italiänisehen Nation im Mittelalter, bei der 
religiösen Begeisterung, die sich auf Alles, erstreckte, was mit der 
Person des Heilandes und seiner Heiligen in Beziehung stand, 
findet man es erklärlich, dass auch die lrVeberei, wie die 
übrigen Künste, in den Dienst der Religion trat, das Gebiet des 
Pflanzenornamentes theilweise verliess und eine Zeit lang nicht nur 
für kirchlichen, sondern auch profanen Gebrauch Darstellungen 
religiöser Bilder in Seidenzeugen anwandte. Die Fabrication sol- 
cher Stoffe mit Heiligenbildern, als immer Vviederzurückkellrendes 
Ornament, durehwebt, fällt in Italien gerade mit jener interessan- 
ten Kunstepoehe zusammen, wo auch mit Cimabue der byzanti- 
nische Typus in der iNIalerci verschwindet und sich mit Giotto 
und seinen Nachfolgern eine selbstständige nationale Malerschule, 
mehr basirt auf Naturwahrheit und Individualität, geltend macht.- 
Gleichwie in dem gerrnaniseh-frankischcn Stamme, im west- 
lichen Deutschland und nördlichen Frankreich das construetive 
Element sich der Architektur vorzugsweise zuwandte, so neigte 
sich der Kunst-Genius des romanischen Stammes in Italien, bei 
seiner Vorliebe für das decorative Element, der zeichnenden Kunst, 
der Malerei, zu. 1) Dieser angeerbte, fast instinctrnässige Hang 
des Italiäners zu vielfarbigen seenerirten Darstellungen bekundet, 
sieh nicht nur in den vortrefflichen und zahlreichen Malereien des 
Mittelalters in italiänischen Kirchen, Klöstern, Hospitälern, den 
Öffentlichen Palästen und Rathhäusern, sondern auch in der Staffe- 
lei- und Miniatur-Malerei, in der Elfenbeinschnitzkunst, im Me- 
tallguss; ja, sogar die Weberei musste sich dieser Vorliebe der 
Nation fügen, obschon für ihre Zwecke ein freies Püanzenornament 
viel zußtändlgßf gewesen Wäre. 
Wenn auch die früher an Kunstwebereicn so reichen Gewand- 
sehränke (vestiaria) der vielen bischöflichen Kirchen Italienls e) 
1) Ein Vergleich der majestätischen Kathcdralbeuten Frankreichs und Deutsch- 
lands des XIII. Jahrhunderts mit denen Italiens zur selbigen Periode und 
hinwiederurn ein näheres Eingehen an Ort und Stelle auf die artistischen 
Productionen der Malerei und Sculptur diesseits und jenseits der Alpen 
brachte uns die Ueberzeilgung bei, dass der germanisch-fränkische Stamm 
im Constrlüren nach stetigen Gesetzen, in der Architektur die Romanen be- 
deutend hinter sich gelaSßßß habe, dass hingegen der Italiäner in der Orna- 
mentik, in der Malerei und in jenen Kleinküusteu, die eine schwungvolle poe- 
mische Auffassung und eine manuelle fertige, oft minutiöse Behandlung in der 
Ausführung erfordern, vor andern Nationen unbedingt den Sieg davon geti-a. 
gen habe. 
2) Die Reste alßkirchlicher Gewänder, welche die schon mit den Medieeem in 
Italien beginnende modernisirende Renaissance der Kirche gelassen hatte, wur-
        

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