Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2147
ren seien. Allerdings wird in den Psalmen die gesammte Thier- 
welt mehrfach zum Lobe Gottes aufgefordert.  
Auch der Psalm 49 und der Lobgesang der drei Knaben im 
Feuerofen und verschiedene andere Psalmen des königlichen Sängers 
bieten, auch ohne grossen Aufwand von Phantasie, dem Forscher viele 
Anhaltspunkte zur etwaigen Bekräftigung obiger Ansicht.  Indessen 
hat ein mehrjahriges , fast ausschliessliches Nachsuchen auf dem Ge- 
biete der liturgischen Gewänder des Mittelalters und ein fortge- 
setztes Vergleichen der alten noch voriindlichen dessinirten Origi- 
nalwebereien in den Gewandsehränken der grüssern Kathedralen 
Deutschland's, Frankreiclfs und Italiens uns die Ueberzeugung 
beigebracht, dass ein abgeschlossener durchdachter Bildereyclus, 
ein selbstbewusstes System, basirt auf einem Theile der heiligen 
Schriften des Alten oder Neuen Testamentes in diesen reiehfigurir- 
ten Geweben der angeregten Periode nicht vorhanden sei. Hinge- 
gen stellen wir nicht in Abrede, dass in vielen Fällen der Erfin- 
der dieser Dessins, besonders wenn er sich daran erinnerte, dass 
die Stoffe einem kirchlichen Zwecke dienen sollten, manchmal zur 
symbolischen Bildnerei seine Zuflucht nahm. Heute aber, wo die 
Sprache der mittelalterlichen Thierwelt. verstummt und der Schlüs- 
sel zur Enträthselung der oft wunderlichen Thiergestalten noch nicht 
wiedergefunden ist, mag es jedenfalls gewagt erscheinen, eine sym- 
bolisehe Deutung bei jenen figurirten Seidenzeugen anzunehmen, 
die von Moslims selbst oder unter dem Einiiusse derselben für den 
Welthandel angefertigt wurden. 
Was wir aber dem XIII. Jahrhunderte nur seltener und be- 
dingungsweise aus eben angeführten Gründen zugestehen, das 
lassen wir für das XIV, und XV. Jahrhundert gelten: näm- 
lich das Aufkommen von eingewebten Scenerien aus der hei- 
ligen Schrift und dem Legendarium der Heiligen als Dessins in 
den reichern Seidengeweben jener Zeit. In der Mitte des XIV. 
Jahrhunderts hatte nämlich die Seidenmanufactur, namentlich in 
Lucca, Florenz, Genua, Bologna, Mailand und Wienedig, eine 
solche Ausdehnung genommen, und dieselbe war theoretisch und 
praktisch zu einer solchen Höhe der Entwickelung gefördert worden. 
dass jetzt die italiänische Manufaetur ihrer frühern orientalischen und 
maurisehen Lehrmeister entbehren konnte. Statt. fremde Muster zu 
copiren und zu verarbeiten, war man jetzt darauf bedacht, na- 
mentlich jene Stoffe, die zur Feier des Cultus benutzt wurden, 
mit allegdrischen Figuren, mit Scenerien aus dem Leben des Hei- 
Dav. 
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und
        

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