Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2092
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jener technischen Fertigkeit ausgeführt ist, wodurch das Original 
sich auszeichnet. 
Wie vorher bemerkt wurde, pflegte man schon in früher Zeit 
in arabischen und maurisehen Geweben häufig Sprüche aus dem 
Koran oder die Namen der jedesmaligen Regenten als Ornamente 
zu benutzen. Bei den Nachahmungen von Seiten der Christen 
kommen sehr häufig ebenfalls kufisehe Charaktere vor und in ei- 
ner solchen Weise ornamentaliseh aufgefasst und durchgeführt, 
dass sie in ihrer Verzierung kaum noch als Buchstaben zu erken- 
nen sind. Sehr selten lässt. sich in diesen imitirten Zeugen mit. 
Mühe ein Gedanke aus diesen verschnörkelten kufischen Lettern 
entziffern; in der Regel aber sind diese Charaktere als willkürli- 
ehes Ornament ohne Absicht neben einander gestellt. 
Das Letztgesagte könnten wir durch eine Menge von Abbil- 
dungen klarer veranschaulichen, indem sich in unserer Samm- 
lung von mittelalterlichen Originalwebereien aus dem XIII. und 
XIV. Jahrhunderte eine Anzahl Gewebe jener interessanten Kunst- 
epoehe befinden, in der die Industrie der hfoslims ihren Höhe- 
punkt erreicht zu haben scheint; vielen derselben kann man es 
deutlich absehen, dass die auf dem italiänischen Festlande neu- 
begrüntleten Manufaeturen von der bequemern Imitation noch nicht 
zu eigenen neugeschaffencn Dessins übergegangen waren. 
Tafel VIII repräsentirt ein sowohl in Stoff als Zeichnung sehr 
merkwürdiges Gewebe, bei dem starke Zweifel obwalten können, 
ob dasselbe im Königreiche Granada oder auf Sicilien durch mu- 
selmännische Arbeiter angefertigt werden sei, oder ob es als Imi- 
tation in den lombardisehen Städten sein Entstehen gefunden habe. 
Der früher erwähnte gelehrte Orientalist NIr. de Longperier äusserte 
sich in seinem schriftlichen Gutachten dahin,dztss dasselbe eine ausserst 
gelungene und getreue Imitation eines späitarabischen Gewebes zu 
sein scheine und dass die in den wellenförmigen sich parallel fort- 
setzendcn läogenlinien enthaltenen Charaktere sich nicht zu einem 
bestimmten Spruche formirerl liessen, sondern dass es den Anschein 
gewinne, als ob von ilalianisehen Componisten diese kufischen 
Charaktere, ornamcntztl gehalten, als beliebte Verzierungen planlos 
zusammengestellt wordCll Seien- 
lllöglieh,  wahrscheinlich ist es immer, dass in den ältesten 
Etablissements zu Lucca. und Florenz Muslims aus Sicilien oder 
dem südlichen Spanien, als erfahrene Meister der Technik, die 
Einrichtung und Leitung der Arbeiten besorgten; mit Sicherheit 
lässt. sich jedoch dieses aus Schriftstücken jener Zeit. nicht nach-
        

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