Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2082
dass sie in ihrer Anwendung auf religiöse Gegenstände für das 
griechische Sehisma typisch und wohl auch (leswegen von der la- 
teinischen Kirche vermieden wurde. Im Gegenthcile aber befand 
sich um diese Zeit, bei der Abgestorbenheit der Kunst im griechi- 
schen Reiche, die Kunst des Islams auf der Höhe ihrer formellen 
Ausbildung. 1) Der feine Kunstsinn der Araber bewährte sich be- 
sonders in Ausbildung der Kleinkunst, wozu eine unglaubliche 
Handfertigkeit von Haus aus sie sehr befähigte. Namentlich zeich- 
neten in vorliegender Kunstepoehe hIauren und Saracenen sich 
aus in der Elfenbeinschnitzkunst, der Deeorations-Malerei, der 
Goldstiekerei und vorzüglich der Weberei. Abgesehen von der 
ausserst feinen delicaten Textur an den maurischen Stoffen des 
XIII. und XIV. Jahrhunderts und Von der zarten und wohl- 
thuenden Farbenmischung, wodurch sich dieselben so vortheilhaft 
auszeichnen, zeigen insbesondere die lNIuster in den musehnitnni- 
sehen Geweben jener Zeit eine Fülle von schöpferischer Phantasie, 
einen Schwung der Zeichnungen und eine künstlerische Durchfüh- 
rung des herrschenden Styles bis zu den kleinsten Details, dass 
unsere heutige hochtrabende und zu gelehrt gewordene Kunst, 
namentlich in Rücksicht auf eine freie und selbstständige Behand- 
lung des Ornamentes hier ihre Vorbilder suchen könnte. 2) 
Was WVunder also, wenn bei dieserVorzügliehkeit der arabi- 
schen Seidenfabrieation der Norden Italiens beim Entstehen seiner 
Industrie, mit unbedeutender lNIotlification, das ängstlich nachzu- 
ahmen suchte, was in Bezug auf Technik und Zeichnungen die 
Meister der WVebekunst dem gewinnreiehen IIandel itbergziben. 
Daher denn auch in den frühesten italianischen Geweben eine 
fast getreue Nachahmung arabischer Vorbilder; nur daran ist die 
Copie zu erkennen, dass dieselbe als Fabrieat zuweilen nicht mit 
 
i) Wir verweisen hier auf die {Jraehtvollen Bauwerke mit ihren Malereien auf 
Sieilien, im maurischen Spanien, in Sevilla, in Granada, auf die Alhambra etc. 
2) Wie sehr unsere heutigen Dessinnteurs zu Paris und Lyou ihrer meist abgenutzten 
Phantasie in einer Weise Gewalt anthuen, dass sie nicht selten das Geschmack- 
loseste in Bezug auf Zeichnungen und Farbengebung als meuvaute" zu Tage 
fördern, hat zur Genüge die Weltausstellung in Paris bewiesen; es hat uns 
scheinen wollen, als 0b Zufall und Laune und gewiss nicht selten auch das 
Kaleidoskop dem armen geplagten Componisten zu Hülfe kommen muss, so 
matt, geist- und eharakterlos waren viele der ausgestellten Productionen der 
Pariser, Lyoner, Wiener und Mailander Fabrication, namentlich aber auf dem 
Gebiete der Kirchenstoiie; hingegen hatten sich in den, in den gegenüber be- 
findlichen Räumen des Riesenpalastes aufgestellten arabischen, syrischen, per- 
sischen und indischen Geweben meist noch die alten historischen Zeiehnun- 
gen mit einigen Modiiieationen erhalten und auch die Farbenstimmung war 
in der Regel eine wohlthuende und glückliche zu nennen. 
        

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