Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2073
lungsganges der liturgischen Gewänder, die Zeichnungen näher zu 
erforschen, die diese Zeuge als eine eben im Aufschwung befind- 
liche Industrie eharakterisiren. 
Gleichwie die Dessins in vielfarbigem incrustirtein Schmelz an den 
Reliquienkätstchen (arcula, thecai), die im XII. und XIII. {Iahrhunderte 
in grössern I3enedictiner-Klöstern von den "opiüces argentarii" in der 
Regel angefertigt wurden, noch lange Zeit (leutlich an Byzanz und seine 
berühmten Email- und Schmelzarbeiten in Bezug auf Zeichnung und 
Ausfilhrung erinnerten, so konnten auch unmöglich die im XIII. 
Jahrhunderte zuerst zu Lueea angefertigten seidenen Stotte, was 
die Zeichnung betraf, die orientalischen Vorbilder verleugnen.  
Die Präparation und Färbung der Rohseide, die Technik des We- 
bens verursachte schon einerseits bei Einführung der Seidenindu- 
strie auf dem italiänisehen Festlande, wie erklärlich, so viele 
Schwierigkeiten, dass man Anfangs nicht an Neuschaffung von ei- 
genen Dessins dachte, sondern jene hIuster mit mehr oder weniger 
Glück adoptirte, die von den maurischen Wcbstühlen SpanienÄs 
oder den saracenischen Sicilicn's herrührten; auch copirte Zeich- 
nungen von Stotlen aus Byzanz, Alexandrien, Arabien, Persien, 
die noch immer trotz der occidentalischen Concurrenz ihren Markt 
im Abcndlande fanden, kommen in den ältesten lombardischen Gre- 
weben vor. Da die Vorliebe für Thierornamente in der romani- 
schen Kunstperiode herrschend war und noch lange Zeit hindurch 
in der Gothik sich fortsetzte, so erscheint in den Geweben dieser 
Zeit noch immer das vollständige "bestiariuln", wie es in den 
orientalischen hIusterstotTen sich noch lange erhalten hat; nur sind 
diese phantastischen Compositionen von ineinander verschlungenen 
Thier- und lhtlanzenornamenten 1) im Vergleich zu den Thier- 
Zeichnungen in den von Anastasius beschriebenen Stoffen bedeu- 
tend veredelt, und auch die Technik in diesen Zeugen zeugt be- 
reits von einem grossen Fortschritt der WVebekunst. 
Die in den freien Städten der Lombardei rasch aufblühende 
Weberei schloss sich indessen immer enger an die näher liegen- 
den Vorbilder aus Sicilien und dem südlichen Spanien an, und 
mochte wohl aus dem Grunde eine nicht allzu grosse Neigung zur 
Nachahmung der Zeichnungen von Seidenzeugen, welche „ d'outre mer" 
aus dem fernen Osten bezogen wurden, stattfinden, weil schon im XIII. 
Jahrhunderte die Kunst im Allgemeinen besonders im griechischen 
Reiche geistlos zu werden anfing und allmälig derart verknöcherte, 
Um ihren Ursprung näher zu bezeichnen, erhielten 
noch heute gebräuchlichen Namen "Arabcsken". 
sie 
schon 
damals 
den
        

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