Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2069
gung reieherGoltlbrocate sein würde, Einiges im Yiorbeigchen mit- 
zutheilen, mögen folgende Andeutungen genügen. 
Sachkundige haben bis dahin noch unentschieden gelassen, ob 
das um den Leincnfaden gesponnene, auf einer Seite vergoldete 
IIautchen ein vegetabilisches oder ein künstlich praparirtcs Pro- 
duct sei; rührt dieses zarte Häutchen, das auf der Kehrseite einen 
weisslichen Glanz zeigt, von einer Pflanze her, so fragt es sich, 
welches Bindemittel wandte das Mittelalter an, um auf diesem 
bastartigen Häutchen eine dauerhafte Vergoldung herzustellen, und 
welcher Modus wurde beim Vergolden beobachtet, um dieses 
massenhaft und billig einzurichten. 
Andere haben nicht ohne haltbare Gründe die Vermuthung aufge- 
stellt, dieses Häutchen wäre künstlich praparirt werden und bestünde, 
seiner Substanz nach, aus einer wallertartitren lcimigen Masse, die im 
flüssigenZustande dünn auf cinelfjgrossen Siiein- oder Mcssingplattc auf- 
getragen werden wärc. Im halbtrockenen kleberigen Zustande wäre 
dann eine leichte Vergoldung diesem gallertartigen (lilrchsichtigen Üe- 
berzuge gegeben worden, nach welcher dann derselbe in dünne faden- 
förmige Riemehen verarbeitet worden sei. Was nun den Ort der Anfer- 
tigung dieses soliden und schönen Goldfatlens betrifft, dessen Präpa- 
ration man heute. gar nicht mehr zu kennen scheint, so glauben wir, 
dass die Heimath desselben im Orientef dem ältesten Sitze der Sei- 
denmanufactnr, -zu suchen ist. So viel stZht fest, dass dieser Goldfaden 
am häuügsten bei Webereien in Anwendung kömmt, die entschieden 
orientalischen Charakter an sich tragen und deren Anfertigung mit 
Bestimmtheit der Zeit angehört, wo die Seidenindustric noch nicht 
nach Sicilien übertragen war; indessen wollen wir gar nicht in 
Abrede stellen, dass auch bei der Blüthc, zu welcher sich im 
XIII. und XIV. Jahrhunderte die Seidcnmanufacttlr in Italien er- 
hob, noch längere Zeit dieser Goldfaden seine Anwendung fand. 
Bei der schnellen Ausbreitung der Scidenweberei im l0mbar- 
dischen Italien ist es von grossem Interesse, sowohl für eine rich- 
tige Bestimmung der Chronologie der Gewebe des XIV. Jahrhun- 
derts, so wie auch für das Studium des geschichtlichen Entwicke- 
 
Bei alten Schriftstellern ist dieser Goldfaden meistens vor de Chipre", .,anrum 
Cypreum" benannt, vielleicht weniger aus dem Grunde, weil dieser Goldfaden 
nur allein auf der Insel Cypern angefertigt wurde, sondern um überhaupt, wie es 
uns scheinen will, seine orientalische Herkunft anzudenten. In dem "inventaire 
des vases sacres et ornem. de la. cathedr. d'Auxerre en 1531" kommt fort- 
während die Bezeichnung „or et argent de Chipre" vor. Interessante Auf- 
schlüsse über den in Rede stehenden Gold- und Silber-faden theilt mit Mons. 
Frmwesqlle-Michel in seinem oft citirten Werke "Recherches sur le commerce, 
1a fabrication des ätoffes de soie etc." Tom. II, pag. 189, not. 2.
        

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