Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2048
Die Frage, woher bezogen die lombardischen Städte bei Einfüh- 
rung der Seidenweberei die RohstoHe (metaxis), möchte für's Erste 
in der Beantwortung nicht so viele Schwierigkeiten bieten. Es 
lässt sich nicht annehmen, dass schon in der oben angegebenen 
Zeitperiode die Pflege der Seidenraupen und die Cultur des Maul- 
beerbaums im nördlichen Italien einen solchen Umfang gewonnen 
hatte, dass dadurch der Verbrauch an Rohstoffen gesichert war; 
man bezog daher durch Pisanische, Genuesische und Venetianische 
Handelsschiffe Rohseide aus dem Oriente, aus dem Peloponnes, 
Sicilien oder auch aus dem maurischen Spanien. 
Woher aber bezog man die Goldfaden, die bis zum XV. 
Jahrhunderte in eigenthümlich präparirter Weise sich in sämmt- 
liehen orientalischen und occidentalischen Webereien gleichmässig 
vorfinden, und ferner, wie präparirte das Mittelalter seine Gold- 
gespinnste? 
In Lyon wandern jährlich manche Louis d'or, angelockt 
durch eine hohe Preisbelohnung, in den Schmelztiegel, um 
zu stets misslingenden Versuchen verwandt zu werden, auf 
welche Art man den rohen Seideniaden in einer Weise vergolden 
könne, so dass ihm noch immer Zartheit und Biegsamkeit und sein 
sanfter Glanz bliebe. lrVürde es gelingen, den Goldfaden in der- 
selben Technik wiederherzustellen, wie das ganze Mittelalter hin- 
durch derselbe bei kostbaren Stolfen sich angewandt findet, so 
würde man wieder ein billiges Goldgespinnst erhalten und zugleich 
ein solches, das eine grosse Biegsamkeit besitzt und dessen milder 
Glanz dem Auge wohlthuend ist. Man hätte dann ein schönes 
und dauerhaftes Surrogat anstatt des Goldfadens, wie er mit sei- 
nem stechenden Schimmer auf kostspielige Weise heute angefer- 
tigt. wird. 
Vielfache Nachforschungen und verschiedenartige chemische 
V ersuche i) indessen haben bis heute noch nicht zur Lösung 
der Frage beigetragen: wie bereitete das Mittelalter seine Geldge- 
spinnste, welche dasselbe ohne Oekonomie, ja fast verschwenderisch 
bei Anfertigung der Stoffe zu liturgischen Gewändern ver- 
wandte?    
Entweder erscheinen an den mittelalterlichen Geweben, so- 
wohl orientalischer wie oecidentalischer Fabrication, glatte riemen- 
 
1) Wie das seither der Fall war, werden wir fortfahren, demjenigen, wvelcher 
durch chemische Versuche zur Aufhellung der angeregten Frage mitzuwirken 
in der Lage ist, auf Anfrage eine Partie alter, noch gut erhaltener Goldfäden 
ivon einer heute ungekmmten Präparation zuzusenden; dagegen erbitten wir uns 
die Mittheilung des Resultates der angestellten Versuche.
        

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