Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2016
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Richtungen hin und liessen sich da nieder, wo es zu bauen gab. 
Das Volk nannte sie in seiner naiven Weise „die Quartiermacher 
des lieben Hergotts" (les logeurs du bon Dieu). 1) 
Auf diese Weise schmückte sich das Abendland im Laufe 
zweier Jahrhunderte mit einem Kranze der herrlichsten Kirchen- 
und Klostergebäude. Natürlich musste mit der äussern und in- 
nern prachtvollen Ausführung dieser Tempel auch die Ausstattung 
der priesterlichen Gewänder und der kirchlichen Gefässe im Ein- 
klang stehen; der Frommsinn des Mittelalters war nämlich stets 
darauf bedacht, auch bis zum Kleinsten hin, dasjenige würdig aus- 
zuschmücken, was die Feier der Geheimnisse der Religion ver- 
herrlichen half; wie hätte es daher jene priesterlichen Ornate aus- 
zustatten vernachlässigen können, die zu dem Altar und dem h. 
Opfer in unmittelbarer Beziehung standen? 
Daher finden wir denn im XIII. Jahrhunderte in jener Zeit, 
wo die Geistlichkeit, der hohe Adel und das Volk mit einem 
Hochgefühl auf die eben vollendeten mächtigen Kathedralbauten 
herabsellell konnte, bei Bischöfen, Fürsten, Rittern und Patriciern 
einen edeln WIetteifer, die Würde des Gottesdienstes (lurch reiche 
Geschenke an kostbaren Stoffen und Gewändern zu heben. 
Mit der Zunahme der Kirchen, Klöster und Abteien, denen 
reiche Schenkungen, weise Sparsamkeit und nüchternes Leben die 
Mittel zum Aufwande bei Verherrlichung des Gottesdientes ge- 
währten, einerseits, und der steigenden Prachtliebc des Adel und 
der Bürgerschaft andererseits waren die Erzeugnisse der orienta- 
lischcn, sicilischen und spanischen Webereien für den Bedarf des 
Abendlandes bald nicht mehr ausreichend. 
Daher tritt denn auch als ein Bedürfniss der Zeit, angelockt 
durch den reichen Gewinn, den die Seidenindustrie gewährte, kaum 
hundert Jahre nach Einführung derselben in Sicilien im Norden 
Italiens ein neuer nicht unbedeutender Concurrent auf, der bald 
den alten Monopolisten gefährlich zu werden droht. 
Lucca nimmt vor allen andern Städten des nördlichen Italiens 
die Ehre in Anspruch, schon in der Mitte des XIII. Jahrhunderts 
die Seidenmanufactur im Bereiche seiner Ringmauern zu hoher 
Blüthe gefördert zu haben.  
Die "pailes d'Adria" erlangten schon frühe Berühmtheit. Aus 
einem Rathsbeschluss, den Zanetti 2) mittheilt, geht hervor, dass 
 
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La cathädrale de Chärtres par M. Pabbei Bulteau, page 20_ Paris 1350, 
JICCXLVIII iud. VII, die XIV exeunte Septembri, capts. fuit pars in Con- 
cilio mujori et ordiuatum de illis qui preerunt ad recipiendum rectum neu
        

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