Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2007
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reiche Beute an kostbaren Stoffen es ihnen gestattete, in ihrem 
Anzuge und ihrer häuslichen Einrichtung die heimathliche Sitte 
und Einfachheit hintanzusetzen ; auch war es jetzt ein Leichtes 
geworden, durch die fortwährende Communication mit dem Oriente, 
namentlich durch die Handelsverbintlungen der lombardischen 
Städte Pisa, Venedig und Genua sich mit den bald unentbehr- 
lich gewordenen Erzeugnissen der orientalischen Industrie zu ver- 
sehen. 
So beginnt denn auch gleich nach Ablauf der Kreuzzüge das 
Ritterthum in einem ungekannten Glanze sich zu entwickeln. Bur- 
gen und Schlösser entstehen allenthalben und im Innern derselben 
entfaltet sich nicht selten eine fast fürstliche Pracht; in kostbaren 
Anzügen von schweren Gold- und Seidenstoifen, mit prächtig ge- 
schirrten Rossen ziehen die Ritter zu Turnieren und F estgelagen. 
Frauen und Edelfraulein wetteifern, den Glanz der Feste durch 
ihre Gegenwart und durch den Reichthum ihres Anzuges zu ver- 
herrlichen. Troubadours und Minnesänger ziehen im Klange der 
Lieder von Burg zu Burg, von Hof zu Hof; kurz, das ganze 
Abendland feierte im XIII. Jahrhunderte einen romantischen fri- 
sehen und fröhlichen Völker-Frühling. 
Selbst das Bürgerthum in den Städten, welche jetzt ihre 
Selbstständigkeit zu erringen suchten, war von der Poesie des Le- 
bens nicht ausgeschlossen; es hing mit Vorliebe an diesen Aufzü- 
gen und Schaugeprängen; es gewann lieb bunte Kleiderpracht und 
den festlichen Pomp. Daher suchte nicht selten der reiche Patri- 
cier innerhalb der Ringmauern den stolzen Burgbewohner an Auf- 
wand und Prachtliebe zu übertreffen. 
Die Kirche, welche im Mittelalter das ganze Volksleben durch- 
drang und nachsichtig und schonend den Bedürfnissen und Wün- 
schen des Volkes entgegenkam, 1) wusste zugleich seine Unterneh- 
mungen zu läutern, denselben eine religiöse Weihe zu geben und 
den jugendkräftigen Aufschwung der Völker auf das Höhere zu 
richten. Eine grossartige heilige Baubegeisterung erfasste im XII. 
und XIII. Jahrhunderte unwiderstehlich die Geister; so entstan- 
den in unglaublich kurzer Zeit besonders im nordwestlichen Eu- 
ropa, namentlich zu Chartres, Bourges, Laon, Rheims, Amiens, 
Rouen etc., mächtige Kathedralbauten in einer neuen Bauweise, 
die in dem folgenden Jahrhunderte für das übrige Abendland ty- 
pisch wurde. 
Von Begeisterung für die Ehre Gottes ergriffen, zogen "Bau- 
bfüdßfsßhßftßn und Bildschnitzer", meist unter Leitung eines bau- 
kundigen Mönßbeß (magister operis), durch das Land nach allen
        

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