Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950
in Dunkelroth; sainmtliche Dessins sind in Goldfadeii gewebt. 
Wie bei dem vorhergehenden Muster sind hier Thier- und Pflan- 
zen-Ornamente bandförmig geordnet; sowohl die Eigenthümlich- 
keit der Textur, mehr aber noch die Wahl der darin streifenförmig 
übereinandergestellten Thiergestalten sind uns nach der Analogie 
documentirter arabischer Gewebe hinlänglich Beweise, dass auch 
dieser Stoff, angefertigt von Bekennern des Koran, „d'outre mer" 
gekommen ist. 1) Man wird uns bei Deutung der vorliegenden 
Zeichnung nicht den Vorwurf machen, eine gezwungene Thier- 
syinbolik aufstellen zu wollen, wenn man zu der Annahme 
sich hinneigtc, dass durch die dargestellte Thierhistorie die vier 
Elemente möglicherweise reprasentirt werden können; nämlich 
durch den Elephanten das Land, durch den Drachen das Feuer, 
durch den Fischreiher das Wasser, durch den Adler die Luft. z) 
Zu derselben Zeit, in welcher unter der normannischen Dy- 
nastie die Seideniabrication und Weberei in Sicilien eine olche 
Ausdehnung gewann, entwickelte sich auch im Süden der iberi- 
schen Halbinsel, im inaurischen Spanien, namentlich in den Städten 
Almei-ia, Lisbona, Sevilla dieser Gewerbzweig zu einer Blüthe, die, 
abgesehen auch von den übertriebenen Berichten maurischer Schrift- 
steller  als Zeitgenossen, heute noch, nach Einsicht der mauri- 
schen Gewebe dieser Periode, unser gerechtes Staunen verdient. 
Die Geschichte hat es noch nicht deutlich nachgewiesen, wann die 
Cultur des Maulbeerbaumes im südlichen Spanien eingeführt wor- 
den und die Seideninanufactur ihren Anfang genommen habe. 
Schon der im Vorhergehenden oft erwähnte Anastasius spricht 
an vier verschiedenen Stellen von kostbaren spanischen Seidenstof- 
fen 4) (velum spamcum). Auch eine Biographie des h. Ansegisis, 
i) Inwiefern man zu der Annahme berechtigt ist, dass diese zuletzt besprochenen 
Stode so wie die andern noch zu Braunschweig voriindlichen Gewebe von 
den Zügen Heinrich's des Löwen (T 1195) herrühren, wollen wir hier da- 
hingestellt sein lassen. 
2) Recherches sur l'histoire  dc PEspagne pendant le moyen-age p. A. Dozy, 
tome I, pages 82-86. 
3) Diesen Berichten zufolge soll Cordova unter der Regierung des Abderrahmau 
IIL, 912-961, 212,000 Hauser, 85,000 Kaufläden, 900 öffentliche Bäder, 
600 Moscheen, 70 Bibliotheken und 17 öifentliche Schulen gehabt haben; 
zu dieser Zeit waren auch die Seidenstofie von Granada und Almeria sehr 
 gesucht und zu Sevilla sollen 60,000 Seidenwebestühle in Thatigkeit gewe. 
sen sein. 
Cantu, allgem. Geschichte des Mittelalters, übersetzt von Dr. Brühl, II. 
Bd., S. 426 und 427. 
4) Anastas. Biblioth. de vitis Rom. Pontif. N0. CV. S, Lee 1V_ A_ C_ 841 
(Rar. italic. Script. tom. III, pag. 231, col. 2, D; pag, 243, co1_ 1, B; 
pag. 244, col. 2, A; pag. 245, col. 2, B.)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.