Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1946
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in dem südlichen Spanien. Einen besonders stark ausgeprägten 
saracenisehen Charakter tragen im XIII. Jahrhunderte jene Seiden- 
zeuge, die streifen- und bandförmig (etoties rayees) violfarbig an- 
gefertigt zu werden pflegten. 
Diese Reihe von aufeinanderfolgenden Bandstreifen ist mei- 
stens aus fünf bis sechs verschiedenen Farbtönen zusammengesetzt, 
deren eigenthümliche N üancirung und Zusammenstellung leicht die 
orientalische Abstammung erkennen lässt. In diesen Bandstreifen 
befinden sich häufig in Gold gewebte gerade fortlaufende Orna- 
mente, Halbmond, Sterne, Bandverschlingungen, sehr oft aber 
auch in Gold gewirkte kurze Sprüche, meist aus dem Koran 
entnommen, die, geradlinig fortlaufend, sich immer wiederholen. 1) 
Als interessantes Beispiel eines saraeenischen Stoffes mit viel- 
farbigen Bandstreifen, „palles roes", 2) wie sie gewöhnlich in proven- 
calischen Romanzen genannt werden, verweisen wir hier auf ein 
seltenes Gewandstück, dessen nähere Durchsicht wir der Ge- 
fälligkeit des Herrn Professor Lessing verdanken. Es befindet 
sich nämlich im Besitz desselben ein höchst merkwürdiges 
Messgewand des XIII. Jahrhunderts, das auch in Bezug auf 
Schnitt die faltenreiche schöne Form des Mittelalters bewahrt 
hat. Dieses wohlerhaltene Messgewand, dessen orientalischer Ur- 
sprung in Bezug auf den Stoff nicht im Geringsten bean- 
standet werden kann, stammt mit noch zwei andern nicht 
weniger interessanten Gewändern aus einer Kirche zu Braun- 
schweig. In derselben Kirche sieht man noch eine Menge der 
merkwürdigsten ältern liturgischen Gewänder, sämmtlich dem XIII., 
XIV. und XV. Jahrhunderte angehörend. In einem folgenden 
Capitel werden wir noch Gelegenheit finden, die vorzüglichsten 
derselben näher zu besprechen. 
Ein anderes Beispiel eines im XIII. und XIV. Jahrhunderte 
sehr häufig angewendeten Stoffes zu liturgischen Zwecken mit strei- 
fenförmig geordneten Dessins liefert die Zeichnung auf Tafel III, 
entnommen einem andern Messgewande aus der Sammlung des 
obengenannten Künstlers. Den reichen Stoff kann man als „drap 
d'or" bezeichnen; der Fond desselben ist ein Croisec-Gewebe 
1) In dem Museum für mittelalterliche Kunst zu Dresden und unter den vielen 
mittelalterlichen Gewändern der Marienkirche zu Danzig sahen wir Messge- 
wänder, in der alten Form angefeftigt aus schweren Goldgeweben, mit ähn- 
lichen streifenförmig geordneten Zeichnungen, mit arabischen Iuschriften und 
Ornamenten die ihren samcenischen Ursprung deutlich erkennen liessen. 
a) nPaneS 1'055, pürpre-et biz pur vestir". Vie de St. Thomas v. 155. (Ohren. 
des ducs de Nonnandie par Benoit, tome III, page 466.)
        

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