Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1936
um diese Zeit bei den Webereien von Byzanz noch immer Styl 
war, grössere oder kleinere Scenerien aus dem Alten und Neuen 
Testamente an, namentlich zu Stoffen, welche einem gottesdienst- 
liehen Zwecke gewidmet wurden. 
Einen in etwa verschiedenen Charakter trugen indessen jene Orna- 
mente, die in den ersten Zeiten aus dem hötel de tiraz, dem 
yvvutxaiov 1) der normannischen Könige, in Palermo hervorgingen. 
Bei der Duldsamkeit Roger's und seiner Nachfolger gegen die 
zahlreichen Bekenner des Islams auf Sicilien ist es erklärlich, dass 
noch lange Zeit nach der Einführung griechischer Seidenwirker 
Moslims als tüchtige und geschickte Arbeiter in dem ebengedach- 
ten königlichen Webe-Institute beschäftigt wurden. 
S0 führt uns der bekannte arabische Reisebeschreiber Ebn- 
Djobaii- noch zur Zeit Wilhelnfs II. einen Moslirn als königlichen 
Diener vor, Namens Yahya (Johann), welcher in der königlichen 
Manufactur angestellt war, um die Kleider des Königs in Gold zu 
sticken. 2) 
Die Zeichnungen in diesen Geweben zeigen noch vollständig 
den saracenischen Typus und unterscheiden sich nur wenig von 
den übrigen, um diese Zeit in Arabien und an der Nordküste 
Africaxfs unter muselmännischer Herrschaft angefertigten Stoifen. 
Obgleich der Koran seinen Bekennern die bildliche Darstel- 
lung lebender Wesen, wie schon vorhin bemerkt, und eben so 
auch den Männern das Tragen von SeidenstoiTen verbot, 3) so 
stand doch immer der strenggläubige Moslim gerechtfertigt vor 
dem Gesetze da, indem er ja nicht für eigenen Gebrauch, sondern 
für den Handel seine Seidenzeuge anfertigte.  
Diese Stoffe, voll der wunderlichsten Thiergestalten (cum hi- 
storiis bestiarium), wovon uns bereits im VIII. und IX. Jahr- 
hunderte Anastasius so Vieles berichtet, fanden auch im XII. 
und XIII. Jahrhunderte in tausendfältiger Modilication ihre Wie- 
derholungen von muselmännischen Fabrieanten in Sicilien und 
 
l) Es ist bekannt, dass kostbare Purpur- und Seidenstode, die sich die byzan- 
tinischen Kaiser als Monopol reservirt hatten, nur allein in dem kaiserlichen 
gyueceum durch Arbeiter angefertigt werden durften, die unter besondem Ge. 
setzen standen. Vergl. Cod. Justen. lib. X, tin. VIII et IX, und Cod. Theo- 
des. lib. X, tit. XX u. XXI. 
2) Journal asiatique, quatrieme serie, tom. VII, Janvier 1846. 
3) Um dem Ueberhandnehmen des Luxus vorzubeugen, drückt sich der Koran 
scharf aus gegen den Gebrauch von Seidenstoden; so heisst es z. B.: "Wer 
immer sich in diesem Leben in Seide kleidet, der wird sicherlich nicht im 
künftigen Leben sich damit bekleiden"; und weiter: "Der sich nur einmal 
in Seide kleidete, hat keinen Antheil am ewigen Leben."
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.