Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1916
nige Jahre später, 1185, der saraeenische Geschichtsehreiber Ebn- 
Djobaii- i) in Beschreibungen von den reichen Seidengewändern 
der Einwohnerinnen Palerm0's sich ergehen konnte, die allem An- 
scheine nach in den gewerbfleissigen Städten Siciliens angefertigt 
werden waren. 
Dieser Kleiderpracht entsprach auch die innere Einrichtung 
und Ausstattung, Wodurch der Palast der normannischen Könige, 
der Abkömmlinge des Grafen Tanered von Hauteville, kaum den 
Serails der orientalischen Grossen jener Zeit nachstand. 
Alle Gemächer desselben waren mit kostbaren Seidenstoffen 
behangen; auch die Diener,  sogar die Wächter und Thürsteher- 
waren mit seidenen Gewändern bekleidet. 2)  
Da hier bloss eine geschichtliche Uebersicht über den Ent- 
wickelungsgang der Weberei geliefert werden soll, mit besonderer 
Berücksichtigung ihrer Leistungen für kirchliche ornamentale 
Zwecke, so können wir hier nicht im Einzelnen die grossartigen 
künstlerischen Productionen beleuchten, die schon im Anfange des 
XIII. Jahrhunderts aus den Arbeitsstätten des königlichen Ateliers 
im Palaste zu Palermo hervorgingen. 3) Hier deuten wir nur noch 
vorübergehend an, dass auch in Palermo die Krönungsgewänder der 
deutschen Kaiser, die in einem folgenden Capitel ausführlich be- 
schrieben werden sollen, nach erhaltenen Inschriften im Jahre 
1183, wahrscheinlich durch muselmännische Arbeiter, ihr Ent- 
stehen fanden. 
Bevor wir indessen auf die Zeichnung in jenen sicilianischen Gewe- 
ben, so wie auf den stofflichen Theil derselben näher eingehen, wollen 
wir hier noch über die grosse technische Vollendung der Seidenmanu- 
factur, deren sich Palermo bereits am Schlusse des XII. Jahrhun- 
i 
 Wie sehr die Normannen auf sicilischem Boden mit der Kunst des Webens 
auch mit muselrnännischen Sitten und orientalischem Aufwand und Luxus sich 
befreundeten, folgt aus der eben gedachten Erzählung des saracenischen 
Schriftstellers, worin er angibt, dass um Weihnachtsfeste 1185 die Frauen 
Palermds einhergingen in Gewändern von goldgelber Seide, umgeben mit 
zierlichen Mänteln. 
2) Alexandr. Telesini cocnob. Abb. de reb. gest. Rogeri Siciliae regis lib. II, 
cap. V. (Rer. ital. Script. tom. V, pug. G22, col. 2, D und ibid. pag. G23, 
col. 1, A.) 
3) In demselben Institute wurden wahrscheinlich jene seidenen PrachtstoÜe an- 
gefertigt, die vom König Tancred an Richard Löwenherz im Jahre 1191 
nach England gesandt wurden; vielleicht auch jenes Zelt von Seidenstoßen, 
geräumig genug, um 200 Ritter beim Festgelnge aufzunehmen, das der König 
von England von Tancred einzutreiben sich berechtigt glaubte. Rogeri de 
Hoveden, anualium parsposter. Richard. I. (Rer. anglic. Script. p_Red_ Prae. 
cip. edit. MDCI pag. 688, lin. 7.)
        

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