Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905
Normaljahr für Einführung der Seidenweberei in Sicilien zuzulas- 
sen und stützt sich dabei vornehmlich auf eine arabische Inschrift, 
mit Jahreszahl gestickt auf einem prachtvollen Gewande, Welches 
gegenwärtig in der kaiserlichen Schatzkammer zu Wien sich bei 
dem übrigen Krönungsornate befinden soll. 
Wenn nun auch gelehrte Forschungen bisheran noch nicht 
das Jahr der Einführung der Seidenindustrie in Italien mit histo- 
rischer Genauigkeit festgestellt habcn, so ergibt sich doch, nach 
Vergleichung der verschiedenen hierüber obwaltenden Meinungen, 
das ziemlich feststehende Resultat, dass nicht gar viele Jahrzehnte 
vor der Expedition König Rogefs nach Sicilien, als noch daselbst 
das alte Recht, die „jura veteratt, nach dem Canonicus Gregorio 1) 
in Geltung stand, also kaum ein halbes Jahrhundert vor Ansie- 
delung der Normannen auf sicilischem Boden, die Seidenmanufac- 
tur in kleinen Anfängen begonnen habe, und dass bereits an dem 
normannischen Hofe zu Palermo gegen Mitte des XII. Jahr- 
hunderts ein königliches, monopolisirtes Institut für Anfertigung 
von Seidenstoffen, nhötel de tirazttß) bestand, durch welches 
die normannischen Fürsten, unterstützt durch saracenisehe Seiden- 
Wirker und Künstler, die Pracht und den Luxus des eifersüchti- 
gen griechischen Hofes nachzuahmen Gelegenheit fanden. 
Weil nun aber die Bekenner des Koran aus erklarlichen 
Gründen die fränkischen Christen nicht in die geheime Kunst des 
WVebens so leichten Kaufs einführen wollten, so benutzte Roger 
die eben angedeutete Gefangenschaft der kunstgeübten Griechen, 
um einestheils den gewinnreichen Seidenmanufacturen in seiner 
Grossgrafschaft Sicilien mehr Ausdehnung zu geben, anderntheils 
um mit allmaliger Verdrängung der Moslims, das hötel de tiraz 
in christliche Hände zu bringen. 
Dass unter Beihülfe der vorgedaehten Griechen die christ- 
lichen Einwohner Siciljens der Cultur des von Morea eingeführten 
Maulbeerbaurnes und der Bereitung und Verarbeitung von Seiden- 
gespinnsten tleissig oblagen, geht daraus hervor, dass schon we- 
Considerazioni sopra 1a. storia di Sicilia etc. dal Gregorio, canon. Palermo 
dalla reale Stamperia 1805, in 8. 
Dieses Hötel de tiraz möchte in seinen Anfängen von den Moslim der Dy- 
nastie der Benu-kelb auf Sicilien herrühren, welche den Bedarf der gespon- 
neuen Rohseide etwa aus Africa oder Asien bezogen; noch unter Roger I. 
bestand dieses Webe-Institut im königlichen Palast aus muselmännischen Ar- 
beitem, und der Geschichtschreiber Ebn-Djobair erzählt, dass fränkische 
Christinnen, die ebenfalls im Hötel de" tiraz arbeiteten, zum Islam übergetre- 
ten seien.
        

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