Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1898
GESCHICHTLICHER ENTWVICIKELUNGSGANG 
DER YVEBEREI ZU KIRCHLICHEN ZWECKEN 
VOM 
XII.  
JAHRHUNDERTE. 
Gleichwie mit Justinian im VI. Jahrhunderte die Seidenmanu- 
factur im weströmischen Reiche in Aufnahme" kam, so beginnt mit 
Roger, König von Sicilien, wie das noch heute allgemein Annahme 
ist, der Zeitpunkt, in welchem zuerst im südlichen Italien der fast 
geheimnissvolle Schleier, worin die orientalische Seidenmanufactur 
sich bisher einzuhüllen gewusst hatte, gelichtet und bald darauf 
auch dem übrigen Italien ein Industriezweig zugeführt wird, der 
schon ein Jahrhundert später als eine der Hauptquellen seines 
materiellen WVohlstandes sich herausstellt. 
Wie dieses geschehen ist, berichtet uns genauer Bischof Otto 
von Freisingen, der bekannte Biograph Friedrichs I. Er sagt 
nämlich, dass Roger 1) auf dem bekannten Zuge gegen Griechen- 
land Korinth, Theben und Athen erobert habe und dass er zu- 
gleich mit einer ungeheuern Beute auch jene Künstler mit sich in 
Gefangenschaft fortgeführt habe, die sich mit Anfertigung von Sei- 
denstoifen beschäftigten. Diese habe er dann nach Palermo ge- 
bracht und sie angehalten, die Seinigen mit der Kunst des WVe- 
bens vertraut zu machen, und so sei diese Kunst, vormals unter 
Christen nur allein von den Griechen ausgeilbt, auch den Lateinern 
zugänglich geworden. 
Dieses auch von griechischen Schriftstellern 2) gleichzeitig do- 
cumentirte Factum der Verpflanzung der Seidenmanufactur aus 
Griechenland nach dem Süden Italiens fallt in das Jahr 1146 und 
1147, und wird auch von Heeren 3) als ein durch die Kreuzzüge 
herbeigeführtes glückliches Ereigniss betrachtet. Indessen schon 
der gelehrte italiänische Geschichtsforscher Amari, dem auch M. 
Wenrich in seiner Schrift: "Die Araber in Italien und den anlie- 
genden Inseln". beipflichtet, nimmt Anstand, das Jahr 1147 als das 
1) Ottonis Frising. episc. de Gestis Fridelici I.  lib. prim. cap. XXXIII 
 Rerum Ital. Script. uom. V, col. 668, C.) 
2) Griechische Schriftsteller geben an, dass Roger Friede mit dem Kaiser Alexis 
geschlossen und die griechischen Gefangenen herausgegeben hätte; nur wären 
Korinther und Thebaner von unbekannter Herkunft und auch Solche zurück. 
behalten worden, die geschickt in der Kunst des Webens gewesen seien. dm, 
unter hätten sich Frauen und Männer befunden. , 
Nicetae Choniatae de Manuele Comneno lib. II, cap. 8. (Ed. Fahr. pag. 
65, B  edit. Bekker. pag. 129, lin. 14.) 
3) A. H. L. Heeren über den Einfluss der Kreuzzüge. 
 Liturgische Gen-Inder. 3
        

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