Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1873
im ganzen Mittelalter Byzanz. Mit Sicherheit lässt sich anneh- 
men, dass bereits vom VII. Jahrhunderte ab zu Byzanz selbst 
ausgedehnte Webereien für reiche Seidenstoffe bestanden, denn 
Anastasius führt jeden Augenblick bei Erwähnung der zahlreichen 
Geschenke, die von Leols III. Zeiten ab den Kirchen Rom's ge- 
macht wurden, 1) verschiedene Arten von Geweben an, die er alle 
adjectivisch mit dem Worte "byzantea" bezeichnet, was nach un- 
serer heutigen Sprechweise so viel heissen mag: zu Byzanz an- 
gefertigt. 
Schon aus der hohen Blüthe, deren sich vom VHI. bis X11. 
Jahrhunderte 2) die übrigen bildenden Künste in Byzanz erfreu- 
ten, 3) lässt sich folgern, dass auch die Kunst des Webens bei 
dem grossen Hange nach Pomp und Luxus, der sich am Hofe 
von Byzanz kundgab, in der grossen Kaiserstadt nicht unbekannt 
und ungeübt bleiben konnte. Auch die Chronikenschreiber der 
damaligen Zeit unterlassen es nicht, zum Oeftern die Stoffe der 
Hauptstadt des orientalischen Kaiserreichs rühmend hervorzuhe- 
ben. Fulcher von Chartres, entzückt über die Schönheiten Con- 
stantinopelfs im Jahre 1097 meint, es Würde zu weit führen, die 
Herrlichkeiten daselbst näher zu beschreiben, zu schildern das Gold 
und Silber, die reichen Stoffe aller Art und die Menge der Re- 
liquien, die sich dort fanden; 4) dass die Kaiser von Byzanz selbst 
grossen Werth auf diese in ihrer Residenz angefertigten Pracht- 
stoffe legten und nicht weniger auch die Grossen des Occidents, 
welche die griechische Capitale besuchten, geht schon daraus her- 
vor, dass die kaiserliche Muniüzenz die Führer der Kreuzfahrer 
häuüg mit solchen reichen Stoffen beschenkte, welche für die Letzt- 
genannten, in die Heimath zurückgekehrt, eine sehr dankenswerthe 
Gabe waren. 5) 
S0 werden bei den Geschenken, welche Päpste und andere 
Fürsten 6) des Occidents zu verschiedenen Zeiten vom griechischen 
Hofe erhielten, immer zuerst angeführt schwere Gold- und Silber- 
 
1) Vergl. de vitis Rom. pontif. Leo III. 795 und die Lebensbeschreibung der 
beiden folgenden Päpste. 
1) Eine Zeit, in der sich die Kleinkünste des Abendlandes nach den meist by- 
zantinischen Vorbildern erst zu entwickeln begannen. 
3) Dahin sind zu rechnen die vielen ausgezeichneten Dyptichen und Trypmichgn 
in Elfenbein, die Miniaturen, die treillichen Email- und SChlIwlZarbgiten 
(opera smalti). 
4) Fulcherii Carnot. Geste peregrin. Francor. cap. IV. (Geste. Dei p. Franco; 
pag. 386, lin. 44). 
5) Wilhelm. de Tyr. archiep. lib. II, cap. 22 (ihid. pag. 664, lin. 25). 
6) L'Ystoire de 11 Normant. liv. VII, eh. 26, edit. de M. Champollion.
        

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