Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1858
der dem Hofmanne eine Ratte in köstliche Seidenstoffe einge- 
wickelt zum Verkaufe anbot, unter dem Vorgehen, er habe das 
Ganze, von da und da herrührend, aus Palästina mitgebracht, WO er 
häufig hinreise, um dort ungekannte Gegenstände von Werth zu 
suchen und sie in Europa zu verkaufen. 1) 
Dem Umstande, dass die altern Schriftsteller bei jeder Gele- 
genheit, wo sie von Seidenzeugen sprechen, auch immer adjecti- 
visch den Ort andeuten, woher sie bezogen wurden, ist es zuzu- 
schreiben, dass man noch heute, wo doch die Seidenmanufactur 
ihren Sitz ganz geändert hat, mit ziemlicher Genauigkeit die Orte 
angeben kann, in Welchen man sich hauptsächlich mit Anfertigung 
von kostbaren Seidengeweben beschäftigte, und dass jene Handels- 
städte bekannt sind, die vom VL-XIII. Jahrhunderte als Haupt- 
stapelplatze für orientalische Stoffe von Handelsschiifen besucht 
wurden. 
Diejenigen, welche näher in Erfahrung bringen wollen, in 
welchen Häfen und auf Welchen Handelswegen das alte Rom vor 
Justinian's Zeit seine feinen Gespinnste und kostbaren Seidenzeuge 
erhielt, verweisen wir auf die bereits obenerwähnte interessante 
Schrift von Prof. Kreuser- 
Im VII. und VIII. Jahrhunderte, als der Gebrauch von Sei- 
denstoHen allgemeiner wurde, kommen allmälig neue Stapelplätze 
und Niederlagen für Seidenzeuge vor. Schon frühe erlangte Ae- 
gypten einen bedeutenden Ruf Wegen Anfertigung von Seidenge- 
Weben und bis nach Ablauf der Kreuzzüge war Alexandria ein 
vielbesuchtes Depot für Seidenzeuge, nicht nur für die, welche im 
Lande selbst angefertigt Wurden, sondern auch für jene Erzeug- 
nisse, die in Masse durch die Caravanen aus dem kunstreichen, 
gewerbfleisigen Arabien herbeigeführt wurden. 
Sogar für Marocco und Lybien 2), so wie überhaupt für alle 
SeidenstoHe, die dem Kunstiieisse der Sarazenen ihr Entstehen 
1) Dass Juden und Griechen ein einträgliches Geschäft sich daraus machten, 
Reliquien (oft auch falsche), in reiche orientalische Seidenstolie eingehüllt 
oder in zierlich geschnitzte arabische oder byzantinische Elfenbein- oder 
Emailkästchen (arcula) verpackt, aus der „terra sancta." kommend, dem Oc- 
cidente zu überbringen, ist eine bekannte Sache. So erzählt uns M. Cham- 
Pollion, pag. 255, in seiner neuen Herausgabe des Werkes: „1'Ystoire de li 
Normant" liv. VIII, ch. XXVIII, dass man den Zahn eines Juden nahm 
und einwickelte in "ein schönes Stück Seide" und ihn so für den Zahn des 
h. Matthias ausgeben wollte. 
2) Zur Zeit der Niebelungen war die Seide von Marocco und aus Lybien sehr 
berühmt; es heisst nämlich Str. 555: "Von Marroch dem Lande und auch 
von Libian, die aller besten Siden die ie iner gewan."
        

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