Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1821
verweisen wir auf eine sehr interessante Schrift des Professor 
Kreuser. 1) 
Schon im Anfange dieses Capitels ist darauf hingedeutet wor- 
den, dass die Prachtgewänder der Römer bis in die späte Kaiser- 
zeit meist aus ungefärbter Naturwolle angefertigt wurden, häufig 
mit Gold und Purpurfäden durchwebt. Obgleich nun Aelius Lam- 
pridius behauptet, dass Heliogabalus der erste Römer gewesen 
sei, der sich seidener Gewänder (vestis holoserica) 2) bedient habe, 
so nennt indessen schon Suetonius den Caligula den Lehrer und 
Meister des Luxus und der Sehwelgerei, den Seidenen (sericatus). 
Dass das Tragen von seidenen Stollen noch unter Tiberius 
den Römer schändete, bezeugt ein Senatsgesetz, welches solche 
Gewebe strengstens verbot: „ne vcstis serica viros foedaret." Ta- 
citus lib. I. Dass aber auch noch zur Zeit des Aurelianus das 
Seidengespinnst thener war, lasst sieh aus einem Ausspruche des 
Aurelian ermessen, indem er sagt: „absit, ut auro lila pensen- 
tur etc." ; ein Pfund Seide wurde nämlich damals einem Pfunde 
Gold gleich geschätzt 3). 
Schon Plinius gibt den Grund an, weswegen die Seide so 
thener war, weil sie nämlich auf eine mühevolle Weise angefertigt 
und weit her bezogen wurde. 
Woher aber bezog das alte Rom bis zu seinem Untergange 
die „vestes sericas et holosericas"? 
Serische Stoffe bezog der_Römer von Aussen her (ex parte 
barbaromm). Die Serer waren den Römern ein Volk, das weit 
nach Osten hin wohnte, in dem sagenhaften Lande Indiens, von 
dessen eigentlicher Lage. und Gestalt die classisehe Zeit und noch 
das spätere Mittelalter nur dunkele und verworrenc Vorstellungen 
hatte. 4) 
Auch aus Assyrien, das bei den vagen geographischen Be- 
griffen der Alten oft mit Indien verwechselt wird, und von der 
Insel Coos 5) bezog man seidenc Stoffe. 
1) Skizze über das Ostindien der Hellenen, Römer und Byzantiner. Gymnasia]- 
Programm pro 1833. Seite 28, '29, 30. 
2) Man unterschied holoserica. von subserica; vestis holoserica war ein Gewand, 
an welchem die Kette und der Einschlag aus reinem Seidengespinnst (me- 
taxa) bestand; subserica vestis aber hatte zur Kette Leinfäden (linum), zum 
Einschlag Seidenfäden (lila serica). 
3) Auch aus der Lex Rhodia lässt sich dasselbe folgern: "Ölomygzxl? Ötuom rqi 
zevßiw" 
h) Vergl- läreuser am angeführten Orte. 
5) Es liegt die Insel Coos, das Vaterland des Hippokrates, des Mentors der 
Ileilkunde, nicht, wie Isid. lib. XIVsagt, bei Atlika, sondern der kleinasia-
        

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