Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6865
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Namens an, dass dieses Levitengewand ursprünglich in Dalmatien 
erfunden und später nach Rom übertragen worden sei. Die 
Uebertragung dieses in Dalmatien ehemals gebräuchlichen Ge- 
wandes nach Rom muss jedoch schon vor der Einführung des 
Christenthums stattgefunden haben, indem bei altern Schriftstel- 
lern Seneca, Cicero, Lampridius u. A. der „dalmatica", als eines 
weichlichen und von den strengern Römern verachteten Gewan- 
des Erwähnung geschieht. S0 ist auch die unten angeführte Stelle 
bei Servius zu verstehen. 1) Diese bereits im klassischen Rom 
mit weiten Aermeln versehene "tunica." führte bei altern Schrift- 
stellern auch noch andere Benennungen. Capitolinus nennt die 
Dalmatik „ehiridotae dalmatarum", und zwar deswegen, weil die 
langen Aerinel die Hände bedeckten. Andere Autoren des klas- 
sischen Alterthmns nennen dieses mit Aermeln versehene Ober- 
gewand: „tunica manicata" oder "manuleata". Noch biS Zll den 
Zeiten des Heliogabel und des Comrnodus scheint die Dalmatik 
als barbarisches, vom Auslande eingeführtes Gewand in Rom 
nicht besonders beliebt gewesen zu sein, wie das Lampridius in 
der Lebensbeschreibung der beiden vorhingedachten Kaiser aus- 
drücklich anführtß) Wir lassen es hier dahin gestellt sein, ob 
die Vorsteher der Kirche schon in den ersten zwei Jahrhunder- 
ten des Christenthums die Dalmatik liturgisch in Gebrauch genom- 
men haben, da dasselbe als ein von auswärts eingeführtes Gewand 
in Rom nicht in Ansehen stand, um so mehr, als es meistens 
Weichlinge zu tragen pflegten. Aus dem ebengedachten Grunde 
muss man auch Anstand nehmen, der Angabe einiger Schrift- 
steller zu viel Gewicht beizulegen, die angeführt haben, vor den 
Zeiten des Papstes Silvester hätten die Presbyter und Bischöfe 
statt der „planeta" die "dalmatica" bei Feier der h. Geheimnisse 
getragen und erst durch die eben angeführte Constitution des h. Sil- 
vester hatten die Priester und Bischöfe begonnen, sich der „planeta" 
zu bedienen, wohingegen die denselben bis dahin zustehende „tunica 
manicata" von jetzt ab den Diakonen als das ihrem Ordo eigenthüm- 
liche Gewand überwiesen worden sei. Das aber scheint mit Sicher- 
heit festzustehen, dass bereits gegen Schluss des dritten Jahrhunderts 
die Dalmatik in Rom das Weichliche und das Verächtliche in 
den Augen der Römer verloren hatte und dass schon vor den 
Tagen des Papstes Silvester dieses Bekleidungstück von den 
 
"Tunicae vestae habent. manicas quod etiam Cicero vituperat 
catis, ac talaribus tnnicis. Nam colobiis utebantur autiqui." 
Lampridius in vita Commodi et Heliogabuli. 
dicens 
mani-
        

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