Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6855
449 
Arme. Zum Unterschiede von der „tunica talaris" im Zeitalter der 
römischen Cäsaren, die meistens kleine Halbärmel hatten, entbehrte 
diese griechische "exomis" vollständig kleinerer Ansätze von Aer- 
meln, so dass sogar die Schultern entblösst blieben. Wie Gellius 1) 
das angibt, war dieses eines der ältesten römischen Gewänder. Auch 
der ernste Cato trug, wie bei Ferrarius zu ersehen ist, auf dem 
Lande gleich seinen Knechten, "die beim Ackerbau beschäftigt 
waren, ein solches "colobium". Selbst noch im VI. Jahrhundert 
beschreibt der jüngere Isidor in seinem „liber originum" das „co- 
lobium" nach der Anschauung der Alten gerade so, wie es 
eben angedeutet worden ist. Er sagt nämlich: "Colobium dictum, 
qnia longum est et sine manicis; antiqui enim hoc magis ute- 
bantur." Derselbe Kirchenschriftsteller nennt das "colobiurn" an 
einer andern Stelle ein Levitengewand (levitonarium) ohne Aer- 
mel, ähnlich wie es die ägyptischen Anachoreten zu tragen pfleg- 
ten. Auch Cassianus lib. I. cap. 5 beschreibt in ähnlicher Weie 
das "colobium". Die Gründe, weswegen, der oben angeführten 
Stelle zufolge, der h. Papst Silvester das Anlegen des ältern 
Diakonalgewandes, des ncolobium", verboten und das Anlegen 
der „da.lmatica" in seinen Constitutionen vorgeschrieben hat, gibt 
uns Alcuin 2) ausführlich an, Er sagt nämlich, dass das „colo- 
bium" ein Gewand ohne Aermel gewesen sei, und da die Nackt- 
heit der Arme der ministrirenden Kleriker in einem solchen Ge- 
Wande ohne Aermel anstössig gewesen sei, so wäre Vom h. Sil- 
vester der Gebrauch der Dalmatikexi eingeführt worden. 3) Aus 
dieser Stelle lässt. sich mit Gewissheit folgern, dass zur Zeit des 
h. Stephan die vorgeschriebene "dalmatica" ein Gewand mit lan- 
gen und weiten Aermeln gewesen sei, im Unterschiede von dem 
bis dahin gebräuchlichen ncolobium", das der Aermel entbehrte. 
Unser Autor geht noch weiter undsagt in seinem citirten WVerke, 
die Dalmatik repräsentire in ihrer äussern Form die Gestalt des 
Kreuzes. Dadurch will er andeuten, dass das lang herunter 
tliessende Gewand der Dalmatik in ihrem untern Theile mit dem 
Langbalken des Kreuzes zu vergleichen sei, wohingegen die "bei- 
den ausgestreckten Aermel die Querbalken des Kreuzes versinn- 
bildlichten. Derselbe alte Autor führt auch als Erklärung des 
Gellius, lib. VII. cap. 12. 
Alcuinus de divinis officiis sub rubrica: quid significant vestimenta. 
Wollte man dieser Angabe unbedingt Gewicht beilegen, so würden de 
Frühergesagten zufolge die Ministranten der Kirche unter dem "cglobiumn: 
und der "dalmatica" nicht die früher erwähnten bedeckenden Unter e 
wänder der Albe und des Schultermches getragen haben. g 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.