Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6845
 
448 
Honorius 1) seine „Gemma animae" schrieb, war es schon in der 
Kirche allgemeiner Brauch, dass bei feierlichen Ministrationen 
die Subdiakonen über der aufgeschürzten Albe eine Tunica tru- 
gen, die man auch "subtile" nannte; es war das nämlich ein 
leichtes Gewand von seidenen Stoffen, das feiner (subtilius) ge- 
w_ebt war, daher denn auch der Name. Auch der alte Ordo 
Romanus, der, nach der Ansicht namhafter Schriftsteller, vor der 
Regierungszeit der Carolinger verfasst worden ist, nimmt bereits 
als Olbergewand für den Subdiakon die Tunica an, zur selben 
Zeit, wo er den Diakonen die Dalmatien als auszeichnendes Ge- 
wand zuerkennt. Aus demselben Ordo lasst sich auch entneh- 
men, dass zwischen der "tunica", dem "subtile" des Subdia- 
kons ein grosser Unterschied bestanden habe im Vergleiche 
mit dem Gewande, das der Diakon als Dalmatik zu tragen das 
Recht hatte. Jedenfalls war, wie man das auch noch im spätern 
Mittelalter verfolgen kann, diese "tunicella" des Subdiakons ein- 
facher und weniger reich verziert, wie das Gewand des Diakone, der 
in der kirchlichen Hierarchie den nächst höhern Rang einnahm. 
Die "tunicella", deren allgemeine Einführung als Subdiakonats- 
kleid dem Ebengesagten zufolge in's VlI. Jahrhundert zu setzen 
ist, ist mithin bedeutend jünger, als das Diakonengewand, die 
"dalmatica", deren Ursprung und kirchlicher Gebrauch spätestens 
in den Anfang des IV. Jahrhunderts hinaufreicht. Man liest 
nämlich beim Anast. Bibliothec. in vita Sti. Silvestri An. Chr.314: 
„hic constituit, ut diaconi dalmatica uterentur in Ecclesia." Bei 
näherer Betrachtnahme der eben mitgetheilten Stelle entsteht hier 
die Frage: bedienten sich die Diakonen in der römischen Kirche 
vor den Tagen des Papstes Sylvester eines andern liturgischen 
Gewandes als der Dalmatik, und wann ist der Ursprung und das 
Aufkommen dieses letztgedachten altchristlichen Gewandes anzu- 
setzen? Als Antwort auf die zuerst gestellte Frage Folgendes: 
Eine Anzahl von schriftlichen Belegen lässt sich (lafür beibrin- 
gen, dass vor der gesetzlichen Einführung der Dalmatik als 
,.vestis diaconatus" das "colobium" sowohl bei- gottesdienst- 
liehen Verrichtungen, als auch im alltäglichen Leben in den 
ersten christlichen Jahrhunderten im Gebrauche war. Nach An- 
gabe älterer Schriftsteller war nämlich das „colobium" nichts 
anderes, als eine lange Tunica ohne Aermel, das die Griechen 
"ääviytg" nannten. An Stelle der Aerrnel befand sich an dem 
eben besagten Gewande ein weiter ofiener Durchlass für die 
L 
Honor. 
Gemm. 
lib. 
cüP' 
229.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.